Gesamte Tourdaten
468 km – ↑ 12.927 hm – ↓ 13.412 hm – 8 Tage
Etappenlänge
63 km – ↑ 2.193 hm – ↓ 245 hm – Fahrzeit: 4:49 Std.
Zwischenstationen
- Grosio
- Le Prese
- Fumero
- Val di Rezzalo
- Passo dell‘ Alpe
- Gavia-Pass
- Unterkunft: Rifugio Berni
Tour Beschreibung
Heute scheint uns der Wettergott ein wenig im Stich lassen zu wollen. Über uns hängen dicke, dunkle Wolken, und der Morgen beginnt trüb. Erst einmal frühstücken wir, vielleicht bessert sich das Wetter ja noch – wir haben auf dieser Tour gelernt, dass in den Bergen alles von einer Minute auf die andere passieren kann.
Nach dem Abschied von Thomas und Gerhard, unseren gestrigen Tischnachbarn, werden die Räder noch schnell geölt, dann geht es los – ohne Regenklamotten. Heute stehen zahlreiche Höhenmeter auf dem Programm, zuerst die Hauptstraße Richtung Bormio, schnell weg vom Autoverkehr und Gestank. Schon nach 5 Kilometern: Regen. Unter einer Brücke ziehen wir schnell die Regenklamotten über – jetzt ist es nass von innen und von außen zugleich.
Ab Le Prese geht es auf einer schmalen, wenig befahrenen Straße circa fünf Kilometer stetig bergauf mit 8–9 % Steigung. Der Regen wird stärker, die Temperatur fällt merklich. Dann beginnt der erste richtig steile Weg, oft mit großen Steinplatten bedeckt – nicht fahrbar bei diesem Wetter. Wir steigen ab und laufen. Das Wasser rinnt am Helm entlang, tropft durch die Lüftungsschlitze – kalt, nass, unangenehm. Auf 1.650 Metern angekommen, zeigt der Tacho nur noch 4 Grad, und wir haben noch 1.000 Höhenmeter vor uns. Oben erwartet uns vermutlich Schnee.
Auf der Sankt Bernado Hochalm kommt uns ein Jeep entgegen, das Dach bedeckt mit circa drei Zentimetern Schnee – Schock! Durchnässt suchen wir Schutz. Verschlossene Gehöfte, nur vereinzelte Häuser – eine bewirtete Hütte finden wir nicht. Dann entdecken wir eine kleine Kirche. Zum Glück offen! Wir stellen die Bikes am Eingang ab, ziehen alles aus und trocknen uns mit frischen Handtüchern – nackt in einer Kirche, eine urkomische Situation.
Draußen: Schnee auf 1.850 Metern. Schluck. Wir schlottern, ziehen schnell frische Kleidung an und machen uns auf den Weg. Der Aufstieg zum Passo dell’Alpe auf 2.450 Metern beginnt. Zehn Zentimeter Neuschnee bedecken den Weg, die Sicht ist eingeschränkt, der Pfad kaum noch erkennbar. Aber: keine Gefahr, nur Orientierung gefragt. Immer wieder Schiebepassagen über verschneite Pfade, groben Schotter, entlang eines Baches – anspruchsvoll, aber machbar.
Ein kleiner Zwischenfall: meine Satteltasche reißt ab – die Konstruktion ist nicht für Mountainbike-Touren gedacht. Kabelbinder und Klebeband retten den Tag, die Tasche hält bis zum Ende der Tour. Endlich erreichen wir die Gavia Passstraße, die „Rüttelstrecke“ hat ein Ende! Noch 6 Kilometer, 400 Höhenmeter bei rund 6 % Steigung. Mit gleichmäßigem Tritt kämpfen wir uns Meter für Meter nach oben, trotz 0 Grad Außentemperatur.
Dann: der Gipfel! Gavia Pass – 2.650 Meter, „Cima Coppi“ bei der Tour de Italia. Stolz, erschöpft, überglücklich. Hier treffen wir auf andere Bikeverrückte und Rennradfahrer in kurzen Hosen – alle offensichtlich vom kleinen Wintereinbruch überrascht.
Am Rifugio Berni stellen wir die Bikes ab, hinein in die warme Stube. Ein buntes Treiben: durchgefrorene Biker und Wanderer, Schlange am Kaffee, glühender Kamin, volle Tische. Im Nebenzimmer treffen wir Thomas und Gerhard wieder – Geschichten werden ausgetauscht, Pläne besprochen. Die Abfahrt nach Ponte di Legno? 18 Kilometer, 1.350 Höhenmeter – viel zu gefährlich bei Kälte und durchnässten Klamotten. Wir beschließen spontan: heute bleiben wir auf dem Pass.
Unser Zimmer: klein, simpel, keine Heizung. Nasse Klamotten – wie trocknen? Der Hausherr reagiert genial: wir nehmen das Kaminzimmer in Beschlag, er legt Holz nach und nach auf. Bier, Rotwein, Cappuccino, ein hausgemachter Nudelteller – langsam trocknet alles. Der Sonnenuntergang auf 2.600 Metern – einfach atemberaubend.
Wir werden müde, zufrieden, die Nacht beginnt ruhig und unerwartet entspannt. Ein Abenteuer, das uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.









