Alles, was du schon immer mal Fragen wolltest …

Unsere Checkliste vor der Planung

  • Bestimme deine persönlichen Erwartungen an einen Alpencross wie beispielsweise Urlaub, Abenteuer, Herausforderung, Rennen, Naturerlebnis, Genuss. Wenn man sich vorher im klaren ist, was man von einem Alpencross erwartet, bleibt die Enttäuschung aus. Soll es im Eiltempo über die Gipfel gehen oder ist der Weg das Ziel?
  • Bestimmen dein Leistungsvermögen: 
    Tourenerfahrung, Kondition, technisches Fahrkönnen. Wenn man zuhause keine zwei Tagestour á 80 Kilometer Steckenlänge schafft, dann geht das auf einem Alpencross auch nicht.
  • Wählen dein Ziel aus: 
    Soll es ein Rundkurs werden? Lockt der Gardasee, der Lago Maggiore oder ein andere See? Soll die Tour in einer Stadt enden?
  • Kartenstudium: 
    Lege deine gewünschte Route und daraus resultierende Tagesetappen fest
  • Organisation von An- und Rückreise:
    Erfasse mögliche Problemsituationen und suche und entwickel dafür Lösungsansätze. Was ist zu tun bei einem größeren Defekt? Wie verhält man sich, wenn jemand Krankheitsbedingt ausfällt? Das sollte man alles im Vornhinein klären, dann gibt’s vor Ort keine böse Überraschungen und heftige Diskussion mit den Teilnehmern.
  • Ausrüstung checken und gegebenenfalls optimieren. Achtung: Niemals mit neuem, ungetestetem Material, Kleidung oder ähnliches starten. Ich habe schon so manche aufgescheuerte Innenschenkel gesehen, die einer neuen «tollen» Bikehose nicht stand hielten.
  • Viel Ausdauertraining, auch mal mit gepackter Rucksack testen. Wenn möglich, ruhig auch mal das Tragen des Bikes auf längerem Abschnitt proben, das sind ganz neue Erfahrungen!
  • Kurz vor Start Wetterprognosen einhole und falls möglich entsprechend reagieren.

Glaubensfrage: Hütte oder Hotel?

Die einen schwärmen von Hüttenromantik mit stimmungsvollen Sonnenauf- und -untergängen, morgendlichen Downhills und super Stimmung in der Stube. Andere stehen mehr auf Privatsphäre im eigenen Zimmer ohne Massenlagergeschnarche, mit Badewanne, Sauna, Mehrgängemenü, Frühstücksbüffet und Trikotservice. Für eine Hüttenübernachtung sprechen die niedrigen Preise, wobei auch hier ab und zu ordentlich zugelangt wird. Viele Hütten haben inzwischen auch auf Duschen umgerüstet, so dass selbst «Warmduscher» auf ihre Kosten kommen. Gegen Schnarcher helfen Oropax, mir aber leider nicht zu 100%. Doch ob sich Alpencrosser eher fürs komfortable Hotel oder die urige Hütte entscheiden, das ist letztlich Ansichtssache. Hauptsache, man starten fit in den neuen Bike-Tag.


Hütten und Hotels im Voraus buchen?

Wer vor verschlossener Tür der Heidelberger Hütte steht, ist schlicht zur falschen Jahreszeit unterwegs. Die meisten Hütten in den Ostalpen öffnen Mitte Juni und schließen Ende September. Davor und danach versinken Hüttenwirt und Biker eh im Schnee … Was aber auch peinlich ist: Man steht nach einer langen mühsamen Etappe vor der Hütte und die ist gerammelt voll und – man hat nicht gebucht! Der Hüttenwirt wird uns zwar nicht wegschicken und notfalls auf Sitzbänken oder gar dem Fußboden schlafen lassen. Das führt zu einer schlaflosen Nacht, eine Erholungphase für den Körper ist somit ausgeschlossen. Dies wird sich auf der darauf folgenden Etappe gnadenlos rächten. Also: Entweder im Internet googlen oder den Alpenvereinshüttenführer vom Bergverlag Rother kaufen und vorher anrufen. Wenn nicht gerade Hauptsaison ist, reicht eine Reservierung am Vorabend normalerweise völlig aus. 
Hinweis: Unbedingt telefonisch abmelden, wenn man doch nicht kommen. Sonst startet der Hüttenwirt womöglich eine Suchaktion.  

Das vorausbuchen von Hotels ist eine Glaubensfrage. Die einen schränkt das im Freiheitsdrang ein, die anderen genießen es, abends nicht mehr lange suchen zu müssen. Wir gehören zur zweiten Fraktion. Es ist uns auf dieser Tour auch passiert, dass wir mitten im Regen am Etappenort angekommen sind. Hätten wir nicht gebucht, fängt die große Suche an. Am Ende eines langen Biketages, wie an unserem erster AX, an dem wir erst um 20:00 Uhr abends angekommen sind, möchten wir uns nicht mehr mit der Suche einer Unterkunft beschäftigen. Da sind wir kaputt und gönnen uns ein heißes Band oder lassen es uns in der Wellness-Oase eines Hotels bereits gut gehen. Wenn etwas unvorhergesehenes passiert, ist ein Umbuchen, natürlich mit größerem Aufwand, möglich. Aber das muss letztendlich jeder für sich entscheiden!


Von «A» nach «B» oder eine Rundtour?

Nördlicher Lebensstil und südliches Flair: Bei einem Alpencross treffen unterschiedlichste Kulturen in kürzester Zeit aufeinander. Auch die Tatsache, dass jede Alpenüberquerung für sich etwas Besonderes ist, macht aus jeder Tour ein unvergessliches Ereignis. Für eine Rundtour spricht hingegen, dass man wieder direkt am Ausgangsort ankommt. Da man nicht gezwungen ist, Strecke zu machen, sind auch reine Singletrail-Etappen drin. Wer sich etwa für die Umrundung eines Bergmassivs entscheidet, kann noch unbekannte Wege und leere Hütten jenseits der bekannten, viel befahrenen Transitstrecken entdecken. Für uns war es aber gerade die Herausforderung, mal von Deutschland aus den Gardasee zu erreichen. Zumindest beim ersten Alpencross. Und der Gardasee als Ziel hat ja bereits KULT-Status erreicht! Was auch eine Rolle spielt, dass die Wetter Kapriolen gegen Süden immer besser werden, bei einem Rundkurs die Schlechtwetterfront im Gebiet hängen bleiben kann.


Geführte Touren oder alleine los?

Geführte Touren bieten viele Vorteile und gerade auch Einsteigern die Möglichkeit, Erfahrung für Mehrtagesrouten zu sammeln. Man überlässt Organisation und Planung der gesamten Strecke einem Veranstalter. Selbst der schwere Rucksack ist kein muss und wird an den nächsten Etappenort gebracht. Individuell geplante Touren sind dagegen eine kleine logistische Herausforderung. Dafür kann man sich schon bei der Planung auf seine maßgeschneiderte Route freuen – ganz neben bei spart man auch ein wenig am Kleingeld. Uns war aber noch eine Sache wichtig: Wir wollten uns nach niemanden richten und «unser Ding» durchziehen. Aber wie alles im Leben – reine Geschmacksache!


Wie komme ich wieder zurück zum Auto?

Endlich am Gardasee, ein Bad in den erfrischenden Fluten, ein bisschen Dolce Vita. Und was dann? Teilnehmer eines organisierten Alpencrosses erwartet ein bequemer Reisebus. Individual-Biker wie wir stehen vor der Alternative, nach Rovereto zu kurbeln, das Bike in die Bahn zu verladen und über den Brenner und Innsbruck nach Deutschland zu rattern. Je nach Ausgangsort ist mit mehrfachem Umsteigen zu rechnen. Bequem ist es auch mit einem Shuttlebus einiger Anbieter aber natürlich auch kostspieliger. Wir haben uns für den Zug entschieden. Mit dem Zug nach zurück zum Ausgangspunkt war überhaupt kein Problem – und das auch in der Hauptsaison und für nicht mal 30,00 Euro.


Spezielles Schuhwerk?

Trekkingschuhe mit Bärentatzen haben sicher Vorteile bei den Schiebe- und Tragepassagen einer größeren Tour. Man hat einen besseren Halt beim Laufen durch rutschfestere Sohlen und hat keine Probleme mit verschmutzten Klickpedalen. Allerdings sind sie vom Gewicht her etwas schwerer und nicht so atmungsaktiv. Ein echter Nachteil von Bikeschuhen ist die geringe Haltbarkeit, wenn man viel mit ihnen läuft, dafür sind sie halt einfach nicht ausgelegt. Des weiteren ist die Rutschgefahr durch die entsprechende Sohle größer. Es gibt schon spezielle Schuhe für Alpencrosser auf dem Markt, aber für diese eine Woche extra neue Schuhe? Unsere normalen MTB-Bikeschuhe haben zwar gehalten, aber ich muss zugeben, einen besseren Halt im Knöchelbereich wäre uns bei mancher Schiebepassage lieber gewesen. Mann rutscht und knickt sehr schnell um, man musste halt doppelt aufpassen. Besonders bei sehr grobem losen Schotter. Wir schau uns doch mal auf dem Markt um, welchen Schuh man auch über Winter anziehen kann!


Karten, GPS oder Beides?

Prompt mit der nächsten Kreuzung kommen die Zweifel. Hätte hier nicht ein Abzweig auf die Forststraße sein sollen? Verfahrene Situation. Ohne topographische Karten im Maßstab 1:50.000 geht beim Alpencross gar nichts. Am besten zeichnet man den geplanten Streckenverlauf mit Leuchtstift zu Hause in die Karten ein. So fährt man ganz automatisch die Route «virtuell» ab und erkennt Schlüsselstellen sowie Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten. Erfahrene Tourenbiker lesen eine Karte wie ein Buch: Fahrbahnuntergrund, Steilheit, Höhen- und Kilometer, Wasserstellen – das alles und noch viel mehr erzählt eine gute Landkarte. Sie wollen nur mit Roadbook über die Alpen ziehen? Okay, aber was ist, wenn man einen verschneiten Pass umfahren oder wegen Defekt einen Notausgang ins Tal suchen musst? Dann sieht man ohne Karte ziemlich alt aus. Das gleiche gilt für GPS: Klar ist’s bequem, aber das GPS zeigt nur einen Track an, dem man auf Gedeih und Verderb folgen muss. Und was tun, wenn der Satellitenkontakt abreißt, das Gerät aussetzt oder die Batterien alle sind? Fragen, die nur die gute alte Landkarte beantworten kann. Allerdings ist ein GPS nur dann auch wirklich sinnvoll, wenn ich vorher die Tour genau kenne und ins GPS-Gerät übertragen kann. (Setzt entsprechende topographische Karten auf dem PC voraus). Ein gutes GPS-Gerät GARMIN 60CS hatte ich dabei, habe es aber «nur» zum Speichern der Tour und nicht als Wegweiser verwenden. Ich hatte damals keine so große Erfahrung im Tourenplanen per Software. Heute ist das anders und ein GPS möchte ich nicht mehr missen.


Wer kommt mit auf die Tour?

Die wichtigste Frage vor jeder größeren Mountainbiketour lautet: „Wer kommt mit?“ Der beste Kumpel, mit dem man nachts durch die Kneipen zieht und dessen Lieblingssportart «im Fernsehsessel sitzen» ist, ist nur bedingt geeignet. Der Idealfall sind der Lebenspartner, die besten Freunde oder Trainingskumpels, mit denen man häufig unterwegs ist. Damit die Chemie während und auch nach der Tour noch stimmt, sollte man etwa auf dem gleichen Niveau sein, was Kondition und Fahrtechnik angeht. Wie im echten Leben bestimmt der Schwächste der Gruppe das Tempo. Die optimale Gruppengröße bewegt sich zwischen drei und vier Mountainbikern. bei mehr als fünf Personen beanspruchen demokratische Entscheidungen oft zu viel Zeit. Eine gewisse Vorsicht ist bei ungerader Personenanzahl wie drei oder fünf geboten – oft fühlt sich einer als fünftes Rad am Wagen. Ich habe mit Jürgen für meinen ersten Alpencross den idealen Partner gefunden – ziemlich gleiches Leistungsniveau und wir passen einfach «zusammen». Zwischenzeitlich haben wir schon zu viert, in 2018 sogar zu fünft gelant ! 


Was kostet so ein Alpencross?

Das ist eine gute Frage und nicht einfach zu beantworten. Bei unserem ersten Alpencross haben wir uns diesbezüglich sehr «frei» bewegt, getreu nach dem Motto: Lieber mehr Komfort und ein tolles Erlebnis, als auf jeden Cent zu schauen. Ich zähle mal ein paar Faktoren auf, welche die Kosten eine Alpentour beeinflussen:

  • Die Anfahrt:
    Wir mussten 550 Kilometer einfach mit dem Auto fahren, was bei einem Verbrauch von circa 10 Liter ungefähr 140,00 Euro ausmacht. Pro Person also 70,00 Euro. Die Bahn ist teurer, wenn man nicht ein Wochenendticket oder sonstiges Angebot erwischt.
  • Übernachtungen:
    Lieber etwas gehobener mit einem Hauch von Luxus oder Hüttenromantik. Da können es schnell mal 80,00 Euro pro Tag werden. Im Schnitt haben unsere Übernachtungen circa 55,00 Euro pro Person inklusive Halbpension gekostet.
  • Der Urlaub am Gardasee:
    Hier brauch ich wohl nicht zu erwähnen, dass es nach oben hin keine Grenzen gibt. Wir waren mit 35,00 Euro dabei.
  • Die Heimreise:
    Mit dem Zug für ca. 30,00 Euro oder mit dem Shuttel-Service für 100,00 Euro, das müssen Sie selbst entscheiden.

Wann morgens los?

Wie heißt das alte Sprichwort: „Der frühe Vogel frisst den Wurm“. Und sitzt bereits im Nest, wenn das Nachmittagsgewitter Langschläfer auf ihrem Weg zur Unterkunft gnadenlos vor sich herjagt. Die Zeit, die man morgens vertrödelt, holt man tagsüber kaum mehr auf. Wer aber früh aufbricht, hat viel mehr vom Tag, kann Panorama- und Fotopausen einlegen und hat bei Problemen einen größeren Zeitpuffer. Die Hauptschwierigkeit der Etappe sollte mittags hinter einem liegen, denn dann lassen Kraft und Konzentration nach. Außerdem drohen Wärmegewitter. Und: Wer früh da ist, bekommt den besten Schlafplatz, kann in aller Ruhe duschen und den ganzen Nachmittag faulenzen. (wenn auf einer Hütte übernachtet wird). Wir sind im Schnitt morgens um 8:00 Uhr los gefahren und am Ende der Tour hat der Gastwirt schon mit einem ordentlichen Abendessen auf uns gewartet!


Wie man lange Anstiege clever überwindet

Von Ischgl hoch zur Heidelberger Hütte müssen Alpenbiker 1.200 Höhenmeter am Stück wegdrücken. Hört sich für uns «Flachlandtiroler» schier unschaffbar an, ist aber mit der richtigen Taktik halb so wild. Es verhält sich wie beim Autofahren – mittlere Drehzahlen und rechtzeitig runter schalten sparen Kraftstoff und schonen unseren Motor. Versuche auch bei Monsteranstiegen möglichst in einem längeren Stück hochzukurbeln. Wenn Gang und Einstellung passen, funktioniert das recht gut. Pausen stören nur den Rhythmus, wenn doch nötig, dann an taktisch klugen Stellen wie einem Brunnen und nie länger als ein paar Minuten. Zugegeben: Je länger der Anstieg, desto mehr schmerzen Rücken und dessen Verlängerung. Was tun? Immer mal wieder aus dem Sattel gehen und einige Meter im Wiegetritt fahren, das lockert die Muskulatur. Und wenn es mal richtig steil wird: Dann ist natürlich Schieben angesagt! Das entlastet das Herz und der «Allerwerteste» wird´s auch danken. Außerdem kann man die Aussicht noch besser als im Sattel genießen!


Gewitter erkennen und handeln

Zwei Wetterentwicklungen können auf der Alpenüberquerung nerven: Wärme- und Kaltfrontgewitter. Bei Ersterem türmen sich feuchte Blumenkohlwolken im Laufe des Tages immer höher auf, bis es gewaltig kracht. Was tun? Möglichst früh dran sein und das Wettergeschehen ständig beobachten. Wird man überrascht, sucht man sich möglichst schnell ein Dach über dem Kopf und wartet erst mal ab. Das Gute daran: So schnell, wie das Gewitter kommt, so schnell verschwindet es meist auch wieder. 

Anders das «Kaltfrontgewitter»: Aussitzen funktioniert hier nicht, denn dem Temperatursturz folgt meist tagelanges Regenwetter, in den Hochlagen meist auch in Schneefall übergehend. Kaltfronten bedeuten nicht selten den Abbruch der Tour. Zumindest werden sie vom Wetterbericht ziemlich genau vorhergesagt. Also regelmäßig Wetter checken, vor Tourenbeginn im Internet, währenddessen per Handy oder am im Hotel an der Rezeption. Eines ist sicher – Gesundheit geht vor Spaß!

Hinweis:
Schneefall hatten wir auf dieser Tour ja auch, war aber zum Glück nur von kurzer Dauer. Anders erging es uns auf der Ortler-Umrundung.


Richtig Schieben und Tragen

Ein alter Spruch sagt: „Überall, wo man problemlos gehen kann, kann man auch schieben“. Wir Biker benutzen das Bike dabei als «Geh-Hilfe». Ein Dreibein fällt nicht um, ebenso wenig ein Biker, der sein Bike geschickt schiebt. Aber was heißt geschickt Schieben? Beide Hände an den Lenker und langsam aber stetig bergauf laufen. Bergab gefühlvoll mit bremsen. Die ganze Schuhsohle aufsetzen und kleine Trippelschritte machen. Bei Hindernissen nicht gleich das Bike auf den Rückenwuchten, sondern das Vorderrad locker über die Schwelle heben, das Hinterrad folgt von ganz alleine. Beim Schieben bitte darauf achten, dass Sie Ihr Bike immer «Talseitig» schieben. So fällt bei einem Ausrutscher zuerst das Bike, was wohl die bessere Wahl ist. 

Hinweis: Wir hatten bei diesem Alpencross nie das Problem, ein Bike schultern zu müssen. Ganz anders auf unserer Tour Bodensee-Gardasee.


Essen und trinken während der Tour

Richtig essen und trinken ist die halbe Miete. Wie beim Auto: Wenn der Kraftstoff fehlt, geht gar nichts mehr! Dann fährt man in den roten Bereich, die Tour wird zur Farce und im schlimmsten Fall muss der Tag abgebrochen werden!  Deshalb ist es auf einer Alpenüberquerung besonders wichtig, regelmäßig und mit hochwertigem Kraftstoff nachzutanken. Entscheidend ist die regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme. Wenn erst der Durst kommt, ist es schon zu spät. Auch ein dunkler Urin ist ein Zeichen, dass der Körper dehydriert ist, wir haben zu wenig getrunken! 

Trinke deshalb etwa jede Viertelstunde ein paar Schluck frisches Quellwasser. Ab und zu haben wir es mit einem mineralhaltigem Trinkpulver versüßt. Getrunken wird aus der guten alten Trinkflasche. Trinkblasen sind toll auf Tagestouren, für den Alpencross aber untauglich, da der Rucksack noch mal zwei bis drei Kilo schwerer wird. Wir haben jeder eine Ein-Literflasche mit an Bord, das passt.

Ein reichhaltiges Frühstück (Müsli und Vollkornbrot statt weißen Brötchen) bringt einen locker über den Vormittag. Mittags unbedingt eine längere Pause – mindestens eine halbe Stunde – einlegen, nachmittags noch einen Riegel einschieben, und man kommt easy zum Etappenziel. Abends gilt:  Kohlenhydratspeicher auffüllen und Alkohol in Maßen. Wobei wir uns immer ein Weizen & einen Grappa (für die Seele) gegönnt haben!


Die Fahrtechnik

Vor langen Abfahrten checken Alpenprofis Luftdruck sowie Ventilstellung und bringen den Sattel auf Halbmast. Helm, Brille und Handschuhe an, Rucksack nah und fest an den Körper, und ab geht’s. ABER: Die Alpen sind kein Bikepark! Ein Sturz kann hier oben fatale Folgen haben, also immer defensiv und im tiefgrünen Bereich fahren! Suche «DEINE» persönliche Ideallinie.

Tipp: Meist ist der Weg, den Wasser nehmen würde, der beste.

Wer den großen Steinbrocken neben der Ideallinie anstarrt, fährt garantiert über ihn drüber. Wenn man vor einem Absatz oder einer Spitzkehre unsicher ist, einfach absteigen. Denn mittendrin abzubrechen endet meist mit einem Sturz. Souverän ist, wer weiß, wann er absteigen muss! 
Ungeschriebenes Grundgesetz für Alpencrosser: Stürzen verboten!


Tourentaktik für den Alpencross

Sie sind auf einer Alpenüberquerung, nicht auf der Flucht. Also immer locker bleiben und (am besten mit Hilfe des Pulsmessers) das persönliche «Wellness-Tempo» beibehalten – selbst wenn die Kumpels schneller sind. Mit der richtigen Taktik wird auch die «Königsetappe» nicht zum Alptraum. Noch mehr: Die, die beispielsweise in Garmisch am gemütlichsten los radeln, kommen mit dem breitesten Grinsen am Gardasee an. Weil Sie fähig sind, auf die Zeichen ihres Körper zu hören und ihm geben, was er braucht: das richtige Tempo, ausreichend Nahrung, taktisch kluge Pausen und genügend Erholung. Wer aus Unerfahrenheit oder Unvernunft körpereigene Warnhinweise ignoriert, dem geht es früher oder später nicht sehr gut und kippt vom Bike.

Nicht nur senkrechtes Gelände ist gefährlich, wenn man abschmiert. Auf einer steilen, feuchten Wiese gehen Biker und Bike ab wie «Schmieds Katze». Da hilft die Backenbremse (Gesicht zum Tal und Po in den Dreck) herzlich wenig.  Einzige Chance: Weg vom Bike, egal wie teuer es war! Drehe dich blitzschnell zum Hang und verharre in Liegestützposition. Körperspannung und niedriger Schwerpunkt sind die besten Argumente, einen Abgang zu bremsen.

Mein Wunsch: Hoffentlich braucht niemand wirklich diese Tipps!


Die Singletrail-Skala

Immer wieder hört man das Wort Singletrail, auch ich verwende diesen Begriff in meinen Berichten. Unter einem Singletrail versteht man einen schmalen Pfad, welcher ursprünglich für Fußgänger und Wanderer angelegt wurde. «Single» steht im Englischen für «einzeln», d.h. zweispurige Wege und Forststraßen zählen nicht zum Begriff «Singletrail» und sind daher in der Skala auch nicht vertreten. Im englischsprachigen Raum wird für Singletrail der Begriff «Single Track» verwendet.

«Carsten Schymik», «Harald Philipp», «David Werner», allesamt Alpencross Pioniere und absolute Bikefreaks haben sich über die Schwierigkeitseinteilung eines Trails Gedanken gemacht und eine bis heute gültige Skala zusammengestellt. Das alles ist noch genauer und mit Bildern verdeutlicht auf der Homepage nachzulesen. Da ich deren Arbeit sehr schätze, zitiere ich daraus und fasse das wichtigste für Sie Zusammen:

Die Singletrail-Skala (STS) unterteilt sich in die drei Schwierigkeitsklassen Leicht, Mittel und Schwer, welche durch die bei Skipisten üblichen Farbkennzeichnungen kenntlich gemacht werden. Diese Schwierigkeitsklassen orientieren sich dabei an dem Fahrkönnen eines durchschnittlichen Bikers mit einem technisch aktuellen Mountainbike.

Zur konkreten Klassifizierung und genaueren Differenzierung der Trails (und Schwierigkeitsklassen) werden sechs relativ gut voneinander abgrenzbare Schwierigkeitsgrade (S-Grade) von S0 bis S5 herangezogen. Dabei ist für einen durchschnittlichen Biker das untere Skalenende mit «locker fahrbar» und das obere mit «unfahrbar» gleichzusetzen.

Die Schwierigkeitsklasse Leicht umfasst die Grade S0 und S1, Mittel wird durch S2 definiert und Schwer beinhaltet alle darüber hinausgehenden S-Grade. Die Skala ist nach oben hin offen und beschränkt sich auf die technische Schwierigkeit eines flachen oder bergab führenden Weges. Die gesamte Bandbreite der S-Grade wird jedoch hauptsächlich nur von Singletrails geboten, weshalb im Folgenden nur noch von diesen die Rede ist. Ein Singletrail kann passagen- oder abschnittsweise durchaus auch unterschiedliche Schwierigkeiten aufweisen. Maßgeblich für die Klassifizierung ist der überwiegende Anteil von Elementen einer S-Kategorie.

Ein Weg wird also z. B. als S2er beschrieben mit zwei S3 Passagen. Die Einstufung des Singletrails erfolgt ausschließlich auf Grundlage möglichst objektiver Wegcharakteristika unter idealen Randbedingungen, wie Sonnenschein und trockenem Untergrund. Die Einstufung ist damit unabhängig von fahrtechnisch nicht beeinflussbaren bzw. subjektiven und variablen Faktoren wie z. B.:

  • dem Gefahrengrad (Absturzgefahr),
  • dem Wetter (Nässe, Wind, Nebel und Schnee),
  • den Lichtverhältnissen oder
  • der Fahrgeschwindigkeit.

Bei der Orientierung nach S-Graden ist daher zu beachten, dass sich der fahrtechnische Anspruch beispielsweise durch schlechte Witterungsverhältnissen nach oben verschieben kann. Bei den Einstufungskriterien werden nachfolgende Aspekte berücksichtigt:

  • Wegbeschaffenheit, d. h. Griffigkeit und Art des Untergrunds
  • Art der Hindernisse
  • Gefälle
  • Kurven-Kategorie
  • fahrtechnischer Anspruch

Um bei der Bewertung von Kurven objektiv zu bleiben, müssten mathematische Größen wie z. B. die Bogenlänge und der Krümmungswinkel erhoben werden, was nicht praktikabel wäre. Daher wird eine grobe Unterteilung von weitläufigen Kurven bis hin zu ösenartigen Spitzkehren verwendet. Der dadurch eröffnete subjektive Spielraum

 

S0  – beschreibt einen Singletrail der keine besonderen Schwierigkeiten aufweist. Dies sind meistens flüssige Wald- und Wiesenwege auf griffigen Naturböden oder verfestigter Schotter. Stufen, Felsen oder Wurzelpassagen sind nicht zu erwarten. Das Gefälle des Weges ist leicht bis mäßig, die Kurven sind weitläufig. Auch ohne besondere Fahrtechniken sind Wege mit S0 zu bewältigen.

Kurzfassung:

  • Wegbeschaffenheit: fester und griffiger Untergrund
  • Hindernisse: keine Hindernisse
  • Gefälle: leicht bis mäßig
  • Kurven: weit
  • Fahrtechnik: kein besonderes fahrtechnisches Können nötig

 

 

S1 – Auf einem mit S1 beschriebenen Weg muss man bereits kleinere Hindernisse wie flache Wurzeln und kleine Steine erwarten. Sehr häufig sind vereinzelte Wasserrinnen und Erosionsschäden Grund für den erhöhten Schwierigkeitsgrad, der Untergrund kann teilweise auch nicht verfestigt sein. Das Gefälle beträgt maximal 40%. Spitzkehren sind nicht zu erwarten. Ab S1 werden fahrtechnische Grundkenntnisse und ständige Aufmerksamkeit benötigt. Anspruchsvollere Passagen erfordern dosiertes Bremsen und Körperverlagerung. Es sollte grundsätzlich im Stehen gefahren werden. Hindernisse können überrollt werden.

Kurzfassung:

  • Wegbeschaffenheit: loserer Untergrund möglich, kleine Wurzeln und Steine
  • Hindernisse: kleine Hindernisse, Wasserrinnen, Erosionsschäden
  • Gefälle: < 40%
  • Kurven: eng
  • Fahrtechnik: fahrtechnische Grundkenntnisse nötig, Hindernisse können überrollt werden.

 

 

 S2 – Im Schwierigkeitsgrad 2 muss man mit größeren Wurzeln und Steinen rechnen. Der Boden ist häufig nicht verfestigt. Stufen und flache Treppen sind zu erwarten. Oftmals kommen enge Kurven vor, die Steilheit beträgt Passagenweise bis zu 70%. Die Hindernisse müssen durch Gewichtsverlagerung überwunden werden. Ständige Bremsbereitschaft und das Verlagern des Körperschwerpunktes sind notwendige Techniken, ebenso genaues dosieren der Bremsen und ständige Körperspannung.

Kurzfassung:

  • Wegbeschaffenheit: Untergrund meist nicht verfestigt, größere Wurzeln und Steine
  • Hindernisse: flache Absätze und Treppen
  • Gefälle: < 70%
  • Kurven: Leichte Spitzkehren
  • Fahrtechnik: fortgeschrittene Fahrtechnik nötig

 

 

S3 – Verblockte Singletrails mit vielen größeren Felsbrocken und/ oder Wurzelpassagen gehören zur Kategorie S3. Hohe Stufen, Spitzkehren und kniffelige Schrägfahrten kommen oft vor, entspannte Rollabschnitte werden selten. Häufig ist auch mit rutschigem Untergrund und losem Geröll zu rechnen, Steilheiten über 70% sind keine Seltenheit. Passagen, die den 3. Schwierigkeitsgrad aufweisen, erfordern zwar noch keine Trial-Techniken, sehr gute Bike-Beherrschung und ständige Konzentration sind aber Voraussetzung zum Bewältigen von S3. Exaktes Bremsen und sehr gute Balance sind notwendig.

Kurzfassung:

  • Wegbeschaffenheit: verblockt, viele große Wurzeln / Felsen, rutschiger Untergrund, loses Geröll
  • Hindernisse: hohe Absätze
  • Gefälle: > 70%
  • Kurven: Enge Spitzkehren
  • Fahrtechnik: sehr gute Bike-Beherrschung nötig

 

 

S4  – beschreibt sehr steile und stark verblockte Singletrails mit großen Felsbrocken und/ oder anspruchsvollen Wurzelpassagen, dazwischen häufig loses Geröll. Extreme Steilrampen, enge Spitzkehren und Stufen, bei denen das Kettenblatt unweigerlich aufsetzt kommen im 4. Grad häufig vor. Um im 4. Schwierigkeitsgrad zu fahren sind Trial-Techniken wie das Versetzen des Vorder- und Hinterrades (z. B. in den Spitzkehren) absolut notwendig, genauso wie perfekte Bremstechnik und Balance. Nur Extremfahrer und Ausnahmebiker können

Kurzfassung:

  • Wegbeschaffenheit: verblockt, viele große Wurzeln / Felsen, rutschiger Untergrund, loses Geröll
  • Hindernisse: Steilrampen, kaum fahrbare Absätze
  • Gefälle: > 70%
  • Kurven: ösenartige Spitzkehren
  • Fahrtechnik: perfekte Bike-Beherrschung mit Trial-Techniken nötig, wie das Versetzen des Hinterrades in Spitzkehren

 

 

S5 – Der Schwierigkeitsgrad S5 wird charakterisiert durch blockartiges Gelände mit Gegenanstiegen, Geröllfeldern und Erdrutschen, ösenartigen Spitzkehren, mehreren hohen, direkt aufeinanderfolgenden Absätzen und Hindernissen wie umgefallenen Bäumen – alles oft in extremer Steilheit. Wenn überhaupt ist wenig Auslauf bzw. Bremsweg vorhanden. Hindernisse müssen z. T. in Kombination bewältigt werden. Nur eine Hand voll Freaks versucht Passagen im 5. Schwierigkeitsgrad zu bewältigen. Hindernisse müssen teilweise übersprungen werden. In Spitzkehren ist das Versetzen kaum noch möglich. Selbst das Tragen des Bikes wird hier fast unmöglich, da man sich beim Gehen festhalten oder gar klettern muss.

Kurzfassung:

  • Wegbeschaffenheit: verblockt mit Gegenanstiegen rutschiger Untergrund, loses Geröll der Weg ist eher ein Wandersteig 
  • Hindernisse: Steilrampen, kaum fahrbare Absätze in Kombination
  • Gefälle: >> 70%
  • Kurven: Bösenartige Spitzkehren mit Hindernissen
  • Fahrtechnik: exzellente Beherrschung spezieller Trial-Techniken nötig, das Versetzen des Vorder- u. Hinterrades ist nur eingeschränkt möglich

DIMB – Fair on Trails

Fair on Trails ist eine Aktion der DEUTSCHE INITIATIVE MOUNTAIN BIKE (DIMB), der auch unser Verein angehört. Ich möchte Ihnen die wichtigsten Trail-Regel aufzeigen, denn auch Jürgen und ich bitten für Verständnis und ein tolerantes Miteinander!

Mountainbiking – ein Natursport

Ob Fun und Action, sportliche Herausforderung oder Ruhe tanken für den Alltag: Mountainbiken ist aufs Engste mit der Natur verbunden. In der Tat sind Erholung und Bewegung im Wald und am Berg für viele Mountainbiker der Hauptgrund, diesem Sport nachzugehen. Mountainbiken fügt sich bestens in die Natur. Eine wegeschonende Fahrweise ist heute Standard – auch die Umweltbilanz kann sich sehen lassen: Mountainbiker beginnen ihre Tour gerne direkt vor ihrer Haustür, reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an oder bilden Fahrgemeinschaften.

Natur verbindet

Freude an der Natur verbindet uns Mountainbiker mit Wanderern und Spaziergängern. Fast alle Begegnungen verlaufen konfliktfrei. Doch einmal entstehende Spannungen können durch ruhiges, souveränes Auftreten entschärft werden. Fußgänger erschrecken oft, wenn sich Mountainbiker allzu schnell nähern! Wer sich rechtzeitig bemerkbar macht und grüßt, zeigt, dass unter jedem Helm ein Mensch steckt. So können wir alle dazu beitragen, einander kennen und schätzen zu lernen. Fair on Trails steht für gegenseitiges Verständnis und ein tolerantes Miteinander auf allen Wegen.

Respekt erweisen – Respekt erwarten!

 

Die DIMB Trailregeln

Die Einhaltung unserer Wegeregeln hilft, die Natur zu schonen und das Miteinander im Wald und am Berg zu verbessern:

 

1. Fahre nur auf Wegen

Fahre nie querfeldein, du schädigst sonst die Natur! Respektiere lokale Wegesperrungen! Forstwirtschaft, Viehtrieb und Belange des Naturschutzes rechtfertigen dies. Auch in Naherholungsgebieten können lokale Sperrungen berechtigt sein. Die Art und Weise in der du fährst bestimmt das Handeln der Behörden und Verwaltungen. Auf Privatgrund bist du oft nur geduldet!

 

2. Hinterlasse keine Spuren

Bremse nicht mit blockierenden Rädern! (Ausnahme in Notsituationen) Blockierbremsungen begünstigen die Bodenerosion und verursachen Wegeschäden. Stelle deine Fahrweise auf den Untergrund und die Wegebeschaffenheit ein. Nicht jeder Weg verträgt jedes Bremsmanöver und jede Fahrweise.

 

3. Halte dein Mountainbike unter Kontrolle

Unachtsamkeit, auch nur für wenige Sekunden, kann einen Unfall verursachen. Passe deine Geschwindigkeit der jeweiligen Situation an. In nicht einsehbaren Passagen können jederzeit Fußgänger, Hindernisse oder andere Biker auftauchen. Du musst in Sichtweite anhalten können! Zu deiner eigenen Sicherheit und derer anderer Menschen.

 

4. Respektiere andere Naturnutzer

Kündige deine Vorbeifahrt frühzeitig an. Erschrecke keine anderen Wegenutzer! Vermindere deine Geschwindigkeit beim Passieren auf Schrittgeschwindigkeit oder halte an. Bedenke, dass andere Wegenutzer dich zu spät wahrnehmen können. Fahre, wenn möglich, nur in kleinen Gruppen!

 

5. Nimm Rücksicht auf Tiere

Weidetiere und alle anderen Tiere in Wald und Flur bedürfen besonderer Rücksichtnahme! Schließe Weidezäune, nachdem du sie passiert hast. Verlasse rechtzeitig zur Dämmerung den Wald, um die Tiere bei ihrer Nahrungsaufnahme nicht zu stören.

6. Plane im Voraus

Beginne deine Tour möglichst direkt vor deiner Haustüre. Prüfe deine Ausrüstung, schätze deine Fähigkeiten richtig ein und wähle die Gegend, in der du fahren willst, entsprechend aus. Schlechtes Wetter oder eine Panne kann deine Tour deutlich verlängern. Sei auch für unvorhersehbare Situationen gerüstet: Denke an Werkzeug, Proviant und Erste-Hilfe-Set. Trage eine Sicherheitsausrüstung! Ein Helm kann schützen, ist aber keine Lebensversicherung.