Tag 3: Unterwasser -> Mitlödi


Gesamte Tourdaten  
394 km – ↑ 11.788 hm – ↓ 12.305 hm – 5,5 Tage


Etappenlänge
58 km – ↑ 1.830 hm – ↓ 2.555 hm – Fahrzeit: 4:59 Std.


Zwischenstationen

  • Unterwasser
  • Hinterhöhi
  • Amden
  • Weesen
  • Glarus
  • Mitlödi
  • Unterkunft: Hotel Horgenberg

Tour Beschreibung

Sonnenschein pur und die Silhouette der kommenden Gipfel, so kann man sich den ersten Ausblick am Morgen vom Fenster vorstellen. Es verspricht wieder ein schöner Tag zu werden, toll, aber auch anstrengend. Nach gutem Frühstück betreuen wir unsere Räder und gönnen den Ketten ein wenig Öl. Die erste Hälfte bis Stein ist wieder selbst geplant. Was wird uns heute begegnen, sind die geplanten Wanderwege so toll fahrbar wie gestern?

Der Start in den Tag fängt gleich mit einem kleinen Aufstieg an. Nur 300 Höhenmeter, aber dennoch anstrengend genug. Das Panorama entschädigt für alles, der Blick auf die Gipfel und übers Land ist grandios, Lebensfreude pur entwickelt sich. Wir kommen an die Zwischenstation der Bergbahnen und erhaschen einen tollen Blick auf den Gipfel. Der weitere Weg ist uns völlig unbekannt, ich hab ihn einfach nach meinen Erfahrungswerten mit entsprechenden Wanderkarten und Zuhilfenahme von Google Earth entworfen. Ziel ist wieder das Örtchen Stein, um dort an die Originalroute anzuknüpfen. Leichte Steigungen auf einem Höhenweg, die Sonnenstrahlen auf der Haut spüren, die Faszination Bergwelt einatmen, das macht einen Alpencross aus.

Am einem Wegrand erkennen wir ein seltsames Gebilde aus einer Stahlkonstruktion, vom den Dachverstrebungen hängen auf kleinen Ketten bronzene Glocken in den verschiedensten Größen herab. Ein Hinweisschild klärt uns auf, die sogenannte Glockenbühne ist Teil der «Toggenburger Klangwelt»:

Ein Zaun aus Metallflöten, ein Zugspecht, der seine Trommelwirbel klopft, Flipperkästen mit Glocken – dies ein paar der Instrumente auf dem Klangweg Toggenburg. Die Klänge der Instrumente mischen sich mit den Kuhglocken und dem Gesang der Vögel. Jeder kann auf den Instrumenten spielen und seine ganz eigene Musik machen. In der Stille des Toggenburgs kommen die Klänge optimal zur Geltung, und die Instrumente trotzen jedem Wetter. Der Klangweg Toggenburg ist von Juni bis Oktober offen und eignet sich für alle Altersgruppen.

Es macht uns einen Spaß, einfach nur durchzulaufen und aller Welt zu zeigen: Wir sind da! Jetzt aber genug Blödsinn gemacht, weiter geht’s! Es ist verdammt heiß heute, der Schweiß tropft auf den Rahmen, das Trikot ist durchgeschwitzt, die Kühlung kommt nicht mehr nach. Wieder heißt es, viel trinken. Wir haben ja aus unserem zweiten Alpencross gelernt. Eine Wasserquelle hilft uns, Flaschen werden wieder gefüllt, der Nacken gekühlt und die Reise geht weiter.

Wir haben bereits zwei Stunden hinter uns gebracht, als wir an eine kleine Hütte namens Strichboden auf 1.630 Meter vorbei kommen. Auf der Sonnenterasse laden große Tische und Bänke aus einem großen Holzstamm geschnitzt zur Rast ein. Kalte Apfelschorle tut gut, vor allem bei mittlerweile wieder fast 30 Grad kommt auch der zum Wasser unterschiedliche Geschmack hervorragend bei uns an. Ich breite die Landkarte aus und schaue nochmals auf den kommenden Weg. Bis jetzt passt ja alles, das waren zum größten Teil gut fahrbare Schotterwege. Laut Plan soll jetzt bald ein Downhill auf uns zu kommen. Auf den Wanderkarten weiß man nie, was einem bei gestrichelten Linien erwartet. Wir werden sehen. Ein Gang auf die Toilette erleichtert uns etwas und so machen wir uns nach ein paar Fotos von der herrlichen Umgebung auf den Weg ins Ungewisse. 

Dieses Mal ist es wieder ein Volltreffer. Zunächst ein kleiner Pfad, dann auf Serpentinen einen sehr engen und steilen Schotterweg hinab. Der Blick richtet sich 1.000 Meter tiefer ins Tal. Volle Konzentration auf den Weg, der mit groben Steinbrocken übersät ist. Aber alles macht uns tierischen Spaß und die Höhenmeter werden wie im Flug vernichtet. Der Trail scheint nicht enden zu wollen, wir vernichten auf dieser nur 3 Kilometer langen Abfahrt sage und schreibe mal wieder 600 Höhenmeter, einfach nur genial. Wir können auf der anderen Seite des Berghanges schon den nächsten Aufstieg erkennen, doch zunächst müssen wir unsere Hände entkrampfen, denn das ständige Bremsen kostet Kraft und verspannt.

Weiter unten mündet er in einen Schotterweg und in einer Linkskurve geht es die ganzen Höhenmeter wieder hinauf. Die nächsten 500 Höhenmeter müssen überwunden werden, diesmal aber aufwärts. Das Ganze auf 5 Kilometer, also 10% Steigung im Schnitt. Es ist sehr anstrengend und heiß, wir schwitzen enorm. Man kann gar nicht so viel trinken, muss sich zwingen, ständig an der Flasche zu nippen. Wir haben dennoch Glück, denn dreiviertel des Weges zum nächsten Gipfel verlaufen im schattenspendenden Wald. Aber sehr viel kühler ist es dort auch nicht, leider. Steile Abschnitte und die brennende Hitze machen es nötig, des Öfteren eine kleine Pause einzulegen, was auch unserem «Allerwertesten» gut tut.

Aber dann kommt der Moment an dem wir sagen: Wir haben es geschafft und den nächsten Gipfel, dieses Mal der Vorder Höhi auf 1.537 Meter, ist erreicht! Es gibt sogar eine Art Passschild mit Höhenangabe und Wegweiser für den weiteren Verlauf. Und wieder zeigen zwei rote Richtungspfeiler eine Mountainbikestrecke an. Darunter ein Hinweis, dass die markierten Wege bitte nicht verlassen werden sollen. Schön und gut, aber hinunter nach Stein führt leider kein ausgeschilderter Mountainbikeweg, sondern «nur» ein markierter Wanderweg! Ein uriges Gehöft, ein Brunnen mit leckeren kaltem Wasser und der Aussicht auf den nächsten Downhill – so macht das Bikerleben Spaß. Vielleicht haben wir dieses Mal wieder Glück und der von mir ausgewählte gestrichelte Wanderpfad ist toll fahrbar wie vorhin. Nach ein paar Fotos und einem kräftigen Schluck Wasser führt uns der Weg zunächst über eine steile Wiese hinab.

Es gibt zwar ein gelbes Wanderzeichen, aber von einem MTB-Weg sind wir weit entfernt. Wir übersteigen ein Kuhgatter und der Weg entpuppt sich zum wahren Freudenspender. Ein Trail durch den Wald, über Stufen und verblockten Stellen, wir müssen nur manches Mal absteigen. Traumhaft. Viel flow, wir lassen es laufen und genießen den Rausch der Abfahrt. Tolle Serpentinen führen an einem Abhang entlang. Wir durchfahren kleine Bachüberquerungen, aufgeweichte Bodenstellen sind mit breiten Holzbrettern belegt und ein Balanceakt bringt uns sicher auf die andere Seite. Wir rauschen durch Wiesen und Felder immer auf einem kleinen Trampelpfad, es könnte ewig so weiter gehen.

Der kleine Trail mündet in eine Weidewiese, das Paradies für die umherlaufenden Kühe, der eigentliche Wanderweg ist kaum sichtbar. Einzig die rot-weiß-rote Markierung auf einem entfernten Stein und mein GPS zeigt uns die grobe Richtung. Da erwische ich doch in mitten eines schrägen Abhangs ein total aufgeweichtes Wiesenstück, mein Reifen rutscht aus und ich liege mitten im Matsch. Das Gelächter von Jürgen habe ich nicht überhört! Ich denke zunächst es ist Kuhmist, doch glücklicher Weise war es «nur» der total durchnässte Almboden. Nachdem ich mich von den gröbsten Dreckbrocken befreit habe, fahren wir weiter. Die Wiesenabfahrt mündet auf einen Weg und wir erkennen auf der anderen Seite die gestrige Abfahrt vom Risipass. Oberhalb von Stein, am Skilift von Geissboden, treffen wir wieder auf die Originalroute. Jürgen und ich sind uns einig, der Umweg war jeden Meter wert – einfach nur toll!

Man wie siehst denn du aus“, spottet Jürgen und ich betrachte mich näher. Die Schuhe voller Matsch, der Dreck ist bis hoch an die Wanden verteilt, mein rechter Arm inklusive Trikot vom Abstützen total verschmiert. Selbst die Hose hat was ab bekommen. Wir fahren weiter und ich suche nach einen Wassertrog um mich zu waschen. In einer lang gezogenen Rechtskurve entdecken wir eine Wiese voll mit Lamas. Die ganze Herde schaut uns nach, schnell weg, sonst spucken die uns noch voll. Wir erwischen es noch besser, hinter eine Brücke erstreckt sich eine Wiese mit einem flachen Einstieg zu einem Bach. Wir nutzen die Gelegenheit zur Pause. Die Räder liegen im Gras, Jürgen hat sich neben dran gelegt um etwas zu entspannen. Ich steh am Rand des Bachlaufs und befreie mich von all der übel stinkenden Fangopackung. Die nassen Socken und das Trikot hänge ich über die Räder zum Trocknen auf, ich leg mich zu Jürgen und wir genießen die Sonne.

Nachdem wir uns an einem Riegel gestärkt haben, beginnt der Aufstieg nach Hinter Höhi auf 1.425 Meter. Voder Höhi, Hinter Höhi, die Schweizer haben schon komische Namen. Es folgt zunächst eine lange, aber sehr moderate Schotterauffahrt. Der Weg wird enger und mündet in einen kleiner Trail, leider bergauf. Macht nichts, der ist dennoch toll zufahren und endet an einer geschlossenen Almhütte. Wieder so ein Wassertrog, danke für die Einladung, wir füllen frisches Quellwasser ab. Das war auf der gesamten Tour übrigens nie ein Problem, Wasser zu finden. Nicht so wie 2007 am Monte Grappa. Wir schauen uns verdutzt an, denn wir erkennen keinen Weg mehr. Doch das Navigationsgerät zeigt den Wegverlauf – es geht auf einer sehr steilen Wiese im direkten Weg hinauf. Also gut, die Bikes geschnappt und los. Schritt für Schritt, schwitzend und schnaufend, erklimmen wir auf einem kaum sichtbaren Pfad die Wiese. Was wir bis jetzt noch nicht wissen, dass es eine der kürzesten und flachsten Schiebepassage auf unserem Alpencross ist.

Das waren gerade mal so 150 Höhenmeter auf 500 Meter Länge, also 30% Steigung, nicht schlecht! Nach knapp 30 Minuten erreichen wir wieder einen Schotterweg, der uns auf einer Hochebene direkt zum Übergang Hinter Höhi führt. Hier oben treffen sich drei Wege an einer kleinen Scheune, ein Passschild und eine Infotafel über die Amdener Mulde stehe daneben. Wir befinden uns auf einem Geo-Weg, ein erdgeschichtlicher Erlebnispfad, der Schänis, Weesen und Amden miteinander verbindet.

Der Geo-Weg informiert über das Erbe der Eiszeit. Auf verständliche Art und Weise kann man die vielfältigen glazialen Formen kennen und verstehen, lernt, was Gletscher bewirken und wie Überschwemmungen die Landschaft prägten. Der Geo-Weg vermittelt den geologisch interessierten Wanderern, das einst in der Region subtropisches Klima herrschte. Besonders interessant sind die Fakten, dass Gesteinsblöcke aus den Bündner Bergen heute am Walensee und in der Linthebene liegen bzw. das zur Römerzeit Walenstadt und Zürich per Schiff miteinander verbunden waren.

Ein paar Meter abwärts rollen wir Richtung Tal und erreichen eine bewirtschaftete Alm, die zur Brotzeit einlädt. Während ich die Bestellung aufgebe, wechselt Jürgen schnell die vorderen abgefahrenen Bremsbeläge. Die Wirtin bringt uns eine tolle Platte mit Hausmacher Wurst, eine Schweizer Spezialität, ein getoastetes Käsebrot und ein alkoholfreies Bier. Bei traumhafter Aussicht auf die Glarner Alpen lassen wir es uns schmecken. Das nennen wir Urlaub, der Weg ist das Ziel! Es ist noch früher Nachmittag, wir lassen uns Zeit, denn viel ist es heute nicht mehr, was wir schaffen müssen. Wir sind ganz alleine auf der Hütte, kein Wanderer, geschweige denn Biker ist hier. Die haben wir sowieso kaum auf unserer Route angetroffen.

Die Fahrt geht zunächst auf Schotter weiter, abwärts Richtung Walensee. An der Bergstation des Skiliftes Amden biegen wir auf einen herrlichen, aber steilen Wiesentrail, der in einen Pfad am Waldrand weiterführt. Ab und zu etwas verblockt, dann über einen ausgetrockneten, mit großen Geröllsteinen bedeckten Bachlauf schiebend, aber alles in allem weitgehend unproblematisch und wieder mal traumhaft schön. Hinab zum Walensee führt ein kleines Sträßchen, der heiße Wind bläst uns ins Gesicht, wir genießen den Rausch und die angenehme Wärme. Dort legen wir einen kurzen Fotostopp ein, die Umgebung sieht schon toll aus. Türkisblaues Wasser, die Bergketten rings um uns herum, wie im Urlaubsprospekt oder in einem «Heidi Film». Mitten im See spritz eine meterhohe Wasserfontaine empor, das ergibt ein tolles Bild mit den Berggipfel im Hintergrund.

Wir verlassen das Städtchen und den See, über einen einfachen Radweg geht es 18 Kilometer weiter nach Glarus und von dort nach Mitlödi, unserer heutigen Endstation. Unser Gasthof Horgenberg hat einen tollen Biergarten, es ist warm und wir haben Hunger. Also stellen wir die Räder ab, melden wir uns an der Rezeption an und setzen uns kurzer Hand an einen Tisch. Da wir die einzigen im Umkreis von knapp 30 Meter sind, spielt der Geruch den wir ausdünsten, keine Rolle. Außerdem sitzen wir ja im Freien. Wir haben wieder mit Halbpension gebucht, deshalb lassen wir uns das Essen servieren. Unser Abendmahl besteht aus zwei verschiedenen Sorten gegrilltem Fisch mit Pommes und Salat, dazu diesmal kein alkoholfreies Bier. Natürlich muss es ein Weizen sein. Ach ja, den Becher Eis dürfen wir nicht vergessen, der das lecker Essen abrundet.

 


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