Tag 7: Passo Brocòn -> Bassano del Grappa


Gesamte Tourdaten  
468 km – ↑ 12.927 hm – ↓ 13.412 hm – 7 Tage


Etappenlänge
93 km – ↑ 1.876 hm – ↓ 3.291 hm – Fahrzeit: 6:23 Std.


Zwischenstationen

  • Passo Brocòn
  • San Donato
  • Fonzaso
  • Monte Grappa
  • Bassano del Grappa
  • Unterkunft: Hotel Dal Ponte

Tour Beschreibung

Wir haben hier oben auf dem Pass echt gut geschlafen, sind total ausgeruht und gehen erst einmal Frühstücken. Das Frühstück in Italien ist fast immer dasselbe: Brötchen, Marmelade, Schinken, Salami und natürlich einen sehr starken Kaffee. Wir lassen es uns schmecken, packen unsere sieben Sachen und freuen uns auf die kommende Abfahrt. Sonst müssen wir nach dem Frühstück immer gleich bergauf, heute ist es mal anders herum. Ach ja, wolkenloser Himmel und schon morgens sehr warm, so begrüßt uns der Tag. 

Uns empfängt eine super Abfahrt durch die einsame Berglandschaft. Auf alten Militärstraßen schlängelt sich ein Schotterweg den Berg hinunter. Wieder eines der gewohnten, aber immer schönen Bilder. Links die schroffen Felswände, inmitten wir auf der Piste und rechts der Abgrund ins Tal. Je mehr Höhenmeter wir verlieren, desto wärmer wird es und es macht einfach super viel Spaß, hier die einzigen Biker zu sein und den Rausch der Geschwindigkeit zu spüren. Wir haben überhaut sehr wenige Biker auf unserer Tour getroffen, auch Wanderer waren bis dato kein Thema. Wir verlieren weiter an Höhe, die Serpentinen schlängeln sich Richtung Tal. In San Donato mündet der Schotter in ein kleines, verschlungenes Sträßchen immer mit Blick nach unten ins Tal. Ein Tunnel können wir rechts auf der ehemaligen Straße umfahren und treffen dabei auf eine in den Fels eingearbeitete Grotte. Hier machen wir etwas Pause, lassen unsere Handgelenke zur Ruhe kommen, denn auch eine längere Abfahrt kann sehr anstrengend werden.

Es geht weiter abwärts, wir folgen einem Fluss, der sich nach unten seinen Weg gebannt hat und erreichen nach insgesamt 32 Kilometer und 1.300 Höhenmeter das Örtchen Seren del Grappa. Es ist heiß, sehr heiß, der Tacho zeigt 35 Grad an. Wir packen unsere Helme auf den Rucksack, nehmen nochmals einen kräftigen Schluck, denn jetzt erwartet uns die letzte Hürde unserer Transalp: Der Monte Grappa auf 1.772 Meter. Das bedeutet auf schier endlos erscheinenden 28 Kilometer eine Höhe von 1.420 Meter zu bewältigen, und das am Stück. Das dürfte doch alles kein Problem sein, so eine Bergstraße hatten wir schon öfter im Programm. Doch nach sechs anstrengenden Bike-Tagen in den Beinen, der drückenden Hitze und teilweise kräftigen Anstiege müssen wir immer öfter mal eine Pause machen. Die Strapazen der Auffahrt versüßen wir uns immer wieder mit dem Blick ins Tal. Eine Kurve jagt die andere, die Trittfrequenz wird immer kleiner, der Schweiß fließt in Strömen. Langsam gehen unsere Wasservorräte zu Ende, soll das etwa zu einem Problem werden?

In den vergangenen Tagen haben wir immer wieder eine Quelle, Brunnen oder Bach gefunden, um uns zu erfrischen und die Wasservorräte zu füllen, doch diesmal, Fehlanzeige! Wir suchen immer wieder nach einer Quelle, auch an verlassenen Häusern, aber es ist nix zu finden. Der Monte Grappa scheint alles Wasser für seine grüne Vegetation selbst zu benötigen und gibt nichts mehr davon her. So trocken wie das Laub und die Äste hier rumliegen hat es auch schon eine ganze Weile nicht mehr geregnet. Die Lippen fangen an klebrig zu werden, der letzte Schluck aus der Pulle ist schon 20 Minuten her. Was sollen wir machen? Die Sonne knallt auf den Asphalt, der wiederum gibt uns die Hitze unerbittlich zurück. Echt brutal. Es kommt ein schummriges Gefühl auf. Ein Blick auf die Karte zeigt erst in 10 Kilometer weiter eine Hütte oder Gaststätte. Es hilft nichts, noch langsamer schleichen wir Tritt für Tritt nach oben. Da – eine kleine steinerne Hütte. Wir bleiben stehen und suchen verzweifelt einen Wasserhahn oder Brunnen. Nichts zu finden, die Suche geht weiter. Immer wieder eine einzelne Hütte, mal total zerfallen, mal wirken sie einladend. Leider immer ohne Wasser! Wir haben gerade mal 13 Kilometer und 750 Höhenmeter geschafft, da beobachten wir mehrere Familien in einem abgelegenen Haus, die hier oben anscheinend ihr Wochenende verbringen. Dieses eine Haus war auf der Karte nicht eingezeichnet und ist unsere letzte Hoffnung. Wir sind zu ihnen hinauf gefahren und haben nach einer Wasserquelle gefragt. Kurzerhand läuft eine nette, ältere Dame ins Haus und holt uns eine 1,5 Liter Wasserfalsche und schenkt sie uns. Der Gipfelsturm ist gerettet dank der freundlichen Italienerin, „Mille grazie“!

Das Gemeine am Monte Grappa sind seine vermeintlichen Gipfel. Kaum hat man einen erklommen, kommt eine kleine Abfahrt und der nächste steht vor der Tür. So hangeln wir uns von einem Gipfel zum nächsten, bis wir in einer Kurve an einer bewirteten Hütte ankommen. Von hier aus kann man schon den wirklichen Gipfel des Monte Grappa mit seinen Monumenten sehen. Das lädt hier natürlich zu einer Pause ein, die wir mit einem Cappuccino und reichlich kühlem Wasser genießen. Hier herrscht ein reges Treiben, die Hütte schein ein beliebter Zwischenstopp zum Gipfel zu sein. Eine halbe Stunde später machen wir uns auf, den letzen Berg unseres Alpencross zu erklimmen. Zunächst geht es mit 6% Steigung 3,5 Kilometer lang immer weiter hinauf, bis wir die Straße kreuzen, die sich in Serpentinen hinab nach Basano del Grappa schlängelt. Wir sehen jetzt linker Hand deutlich die Spitze des Berges und die letzten 2,8 Kilometer mit 7% Steigung vergehen wie im Flug. Hier ist alles voller Touristen, am Rifugio Basano, einem Schnellrestaurant herrscht Hochbetrieb, es sind noch ein paar Hundert Meter zum Gipfel. Der Tritt wird schneller, wir haben es wieder einmal geschafft. Voller Glück stehen wir hier oben und beschließen mit Handschlag und einem Gruppenfoto unser Vollbrachtes.

Der Monte Grappa ist ein einziges Museum für die vergangenen Kriege – gewaltig und doch irgendwie Angst einflößend. Er ist mit 1.742 Metern einer der höchsten Berge der Vicentiner Alpen und liegt als vorgeschobenes Gebirgsmassiv zwischen den Flüssen Brenta und Piave. Südlich an seinem Fuß liegt die Stadt Bassano del Grappa, unser eigentliches Tourziel. Auf dem Gipfel errichteten die Faschisten in den 1930er Jahren unübersehbar ein monumentales Denkmal und Ossarium für die dort im Ersten Weltkrieg Gefallenen. In den drei Piaveschlachten kamen auf dem Monte Grappa und den umliegenden Bergen tausende Soldaten ums Leben. Hier ruhen 12.615 italienische und 10.295 österreichische Soldaten. Ohne Worte!

Wir sind stolz und überglücklich und genießen die tolle Aussicht über das ganze Land hier oben. Das Wetter ist zwar toll, aber durch leichten Dunst ist die Fernsicht nicht optimal, denn sonst könnten wir bis nach Venedig schauen, trotzdem reicht unser Blick bis kurz davor. 

Für die Abfahrt nach Bassano del Grappa haben wir uns was Besonderes ausgedacht: Nicht die Straße, sondern einen Wanderweg, der anfangs nur aus einem Wiesentrail besteht. Was sollen wir sagen außer nur: geil! Auf 8 Kilometer ganze 800 Höhenmeter hinab ins Tal, enge kleine Wurzelpassagen, Wiesentrails, kleinere Laufpassagen. Dann ein kurzer Gegenanstieg und jetzt geht es in schier endlosen Serpentinen nochmals 850 Höhenmeter hinab bis nach Bassano del Grappa. Der heiße Fahrtwind bläst uns ins Gesicht, die Autos sind nicht schneller als wir und mit 60-70 km/h rauschen wir dem Glück entgegen. Am Ortseingang noch ein obligatorisches Finisher-Foto, dann ab in die Stadtmitte und ein Hotel für die Nacht gesucht und gefunden: Hotel DAL PONTE. Mitten in der Innenstadt, günstig, sauber und mit gutem Frühstück. Nach einer Dusche schlendern wir gleich mal in die wunderschöne Altstadt.

Bassano del Grappa ist eine italienische Stadt in der Provinz Vicenza mit circa 40.000 Einwohnern. Sie liegt an der Brenta auf einer Höhe von 129 Meter und verfügt über eine Fläche von 46 km². Archäologische Befunde belegen eine Besiedlung ab dem 2. Jahrhundert. Im Jahre 998 werden eine Burg und eine Pfarrkirche in Quellen erwähnt. Ab 1175 gehörte die Stadt zu Vicenza, danach auch zu Padua, bis sie 1404 unter venezianische Herrschaft kam. Nach den von Napoleons Feldzügen verursachten politischen Umwälzungen in Oberitalien und wechselnden Zugehörigkeiten kam Bassano schließlich 1866 zu Italien. Touristisch interessant sind die zahlreichen Grappa-Destillieren. Der Name der Stadt hat jedoch nichts mit dem Tresterbrand zu tun, sondern kommt vom benachbarten Berg Monte Grappa, der im Ersten Weltkrieg Schauplatz schwerer Kämpfe war.

Soviel zur Geschichte, wir haben Hunger und suchen uns eine Pizzeria im alten Ortskern der Stadt. An der Piazza della Liberta (Platz der Freiheit) werden wir fündig, müssen aber 15 Minuten warten, bis wir einen Tisch ergattern. Mit leckerer Pasta und Pizza und einem gutem Wein genießen wir den Abend. Zum Nachtisch gönnen wir uns hausgemachtes Gelati. Zu guter Letzt darf natürlich der ein oder andere Grappa nicht fehlen. Es herrscht noch buntes Treiben in den Straßen, hier und da eine coole Kneipe oder ein feines Cafe, wir bestaunen die mehrfach erneuerte Holzbrücke Ponte degli Alpini.

Abschließend gönnen wir uns in unserem Hotel noch ein Weizenbier und stoßen auf den Alpencross 2007 an.

 


  6. Tag Heimfahrt


 

 

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