Tag 6: Paneveggio -> Passo Brocòn


Gesamte Tourdaten  
468 km – ↑ 12.927 hm – ↓ 13.412 hm – 7 Tage


Etappenlänge
62 km – ↑ 1.849 hm – ↓ 1.764 hm – Fahrzeit: 4:39 Std.


Zwischenstationen

  • Paneveggio
  • Val Venegia
  • Passo Rolle
  • San Martino
  • Lago Calaita
  • Canale San Bovo
  • Passo Brocon
  • Unterkunft: Albergo Passo Brocon

Tour Beschreibung

Heute stehen mit 1.850 Höhenmeter und 62 Kilometer ein eher harmloses Programm auf unserem Plan, zumindest im Vergleich der letzten Tage. Aber schauen wir mal, welche Überraschungen uns heute geboten werden. Der Morgen beginnt glanzvoll, die Sonnenstrahlen streicheln über unser Gesicht, als wir den Rollladen des Balkons öffnen. Es verspricht wieder einmal ein sonniger Tag zu werden, also ab zum Essen. Einfach aber gut, so kann man das italienische Frühstück beschreiben. Wieder alles packen, anschließend die Ketten unserer Räder ein wenig mit Öl versorgt und auf geht es ins nächste Abenteuer. 

Unser erstes Ziel ist heute die Baita Segantini, gefolgt vom Passo di Rolle und am Ende des Tages noch der Passo Brocòn. Aber eins nach dem anderen. Zunächst fahren wir gemütlich auf der Hauptstraße Richtung Passo di Rolle, dann führt uns das GPS rechts ab auf Schotter durch einen Campingplatz und einem Parkplatz für Wandertouristen. Der eingeschlagene Weg steigt sanft mit 5% Steigung und es macht richtig Spaß, schon am Morgen der Sonne entgegen zu biken. Es folgt eine tolle Ebene namens Val Venegia, uns verschlägt es fast den Atem vor Schönheit. Links die schroffen Felsspitzen der Dolomiten, rechts saftige Wiesen mit einem kleinen Fluss und wir auf einem tollen Schotterweg, der mit weißen Steinen bepflastert ist. Ein Meer von Felsbrocken in prachtvollem Weiß. Eine fast unwirklich wirkende Landschaft, die uns ins Staunen versetzt. Dazu noch der Sonnenschein und der stahlendblauer Himmel, so muss das Paradies aussehen!

Jürgen bleibt ruckartig stehen, stellt sein Bike ab, klettert ein paar Meter nach oben und stellt sich in Siegerpose auf einen größeren Brocken. Ein tolles Bild. Der Weg könnte so es endlos weiter gehen, wir merken gar nicht, dass wir immer mehr an Höhe gewinnen. Er wird etwas steiler aber nie unfahrbar, er schlängelt sich in Serpentinen immer höher hinauf, Meter um Meter empor, bis wir letztendlich die Hütte am Baita Segantini auf 2.177 m erreichen.

An der Alm machen wir erst mal eine kleine Pause und genießen auf einer Bank die warmem Sonnenstrahlen. Der Blick rund herum ist ein einziger Traum: Blauer Himmel, die Spitzen der Gipfel, die saftigen Wiesen, die endlosen Serpentinen und ab und zu ein Wanderer, einfach nur klasse!

Die Cima di Vezzana, auch Vezzana genannt, ist mit 3.192 Meter die höchste Erhebung der Dolomitengruppe Pala im Norden Italiens. Der Berg erhebt sich über dem Rollepass zwischen dem Fleimstal und Primörtal und ist bei diesem Wetter in voller Pracht zu bewundern. Nach einer Flasche Wasser, wieder getrockneten Trikots und unendlich vielen Fotos geht es weiter zum Passo di Rolle, diesmal auf 3 Kilometer und 220 Höhnmeter bergab, auch was feines. Der Weg führt uns auf Schotter durch das Skigebiet bis zur Passstraße.

Die Straße über den Passo di Rolle, auf Deutsch auch Rollepass genannt, ist eine der ältesten der ganzen Dolomiten. Anders als die meisten anderen Straßen dieses Gebietes wurde sie schon im Jahre 1872 fertiggestellt und verbindet das Fleimstal mit dem Valle del Primero auf einer Passhöhe von 1.989 Meter. Auf den nächsten 8 Kilometer und 470 Höhenmeter dürfen wir uns auf eine tolle Abfahrt freuen. Zunächst nur kurz auf der «SS50» Richtung San Martino di Castrozza, in einer Linkskurve biegen wir ab und ein toller Wiesentrail wartet auf uns. Wir fahren durch eine Kuhherde und müssen aufpassen, keinen Kuhfladen zu erwischen. Mitten auf unserem Weg mache sich drei bis vier Kühe breit, ohne auch nur im geringsten auf uns zu achten. Gemütlich stehen sie da und kauen auf den frischen Gräsern. Wir fahren langsam auf die vier zu, erst im letzten Moment springen sie ein Stück zur Seite und schauen uns unbekümmert an. Weiter geht‘s. Der Pfad mündet schließlich in einen Schotterweg. Unten in San Martino di Castrozza angekommen, schauen wir noch mal zurück und genießen einfach die Aussicht auf die letzte Abfahrt. Was jetzt folgt, wird noch länger in unseren Köpfen hängen bleiben, denn ein traumhafter Panoramaweg in Richtung Lago di Calaita bietet sich uns an. Ein kurzes Zwischenstück mit einer Steigung von 15% und sehr grobem steinigen Weg, da macht das Schieben auf diesem einen Kilometer auch nichts mehr aus. Der gesamte Weg schlängelt sich am Hang entlang, teils im Wald schön Schatten spendend, teils auf Wiesen, aber immer auf fast gleicher Höhe. Ein Traum für jeden Biker. Der Weg ähnelt zuletzt einem alten Römerweg, mit groben Steinen gepflastert, bis wir letztlich den See auf 1.630 Meter erreichen.

Der Calaita-See liegt im oberen Valle del Vanoi, wo er einen großartigen Aussichtspunkt auf die Bergkette der Pale di San Martino bildet. Eine Augenweite, vor uns eine grüne Wiese, eine Herde Kühe grast ruhig und gelassen, dahinter dem kleinen stillen See. Von hier aus führt ein enges, kleines Sträßchen 14 Kilometer hinunter. Im Herzen des Trentino, liegt die Ortschaft Canal San Bovo, ein kleines und freundliches Dorf. Von hier kann man die bekannten Bergspitzen des Cauriol und des Totoga bewundern. Damit haben wir wieder 820 Höhenmeter auf traumhafter Landschaft vernichtet. Die Mittagshitze ist schon enorm, die Temperaturanzeige des Tachos zeigt 32 Grad. Es ist Pause angesagt. Wir suchen uns ein typisches kleines italienisches Cafe am Straßenrand und stärken uns mit leckerem Cappuccino, Wasser und einem kalten Eis. Das tut wirklich gut hier zu sitzen und auszuruhen. Ein paar Italiener unterhalten sich aufgeregt, wir hören gespannt dem Klang der Sprache zu, verstehen leider kein Wort. Wahrscheinlich haben sie sich nur ganz normal unterhalten, doch die italienische Sprache klingt immer sehr impulsiv und dennoch melodisch. 

Im Schatten ist es immer noch sehr heiß und jede Bewegung lässt den Schweiß aus den Poren fließen. Apropos Bewegung. Jetzt steht uns noch eine kleine Herausforderung bevor, der Weg zum Passo Brocòn. Es ist eine Passstraße, die sich innerhalb 14 Kilometer 820 Höhenmeter hinauf zum Übergang schraubt. Bevor wir zu träge werden, machen wir uns los, den letzen Pass des Tages zu erklimmen. Die Luft ist heiß und auch uns wird es pro gefahrenen Kilometer immer wärmer. Sobald wir eine Quelle sichten, halten wir an, um uns zu erfrischen oder die Wasservorräte zu füllen. Der Aufstieg zieht sich, ist aber lange nicht so steil wie vergangene Pässe. Gegen späten Nachmittag erreichen wir verschwitzt, aber glücklich den Gipfel und somit auch unser heute Übernachtung, das Albergo Passo Brocòn.

Der Passo Brocòn, auch manchmal fälschlicherweise Broccon genannt, ist ein Alpenpass im östlichen Trentino und verbindet das Tal des Vanoi mit der Hochebene des Tesino. Er befindet sich auf 1.616 Meter auf dem Gemeindegebiet von Castello Tesino.

Ich sehe ganz versteckt am Haus eine kleine Tafel und muss schmunzeln. Mich überkommt eine Idee, stehe spontan auf und sag Jürgen, dass er doch hier draußen kurz warten soll. Dann laufe ich zum Wirt und bestellte zwei kleine Wahrsteiner vom Fass, denn genau dafür macht das Schild da draußen Werbung. Ich gebe Jürgen ein Glas frisch Gezapftes in die Hand und wir prosten uns mitten auf dem Pass auf die erfolgreiche Etappe zu! Wir nennen das «Lebensfreude pur»! Das war lecker und hat den Schlag nicht gespürt. Wir machen uns auf, beziehen unsere Zimmer und duschen uns. Aus dem Fenster kann ich das tolle Panorama in der untergehenden Sonne erkennen. Kurzer Hand schnappe ich meinen Fotoapparat, Jürgen und ich machen einen kleinen Rundgang am Pass und genießen dabei die tolle Aussicht mit dem dazugehörigen Sonnenuntergang in den Dolomiten.

Es ist echt klasse, was haben wir wieder bis heute Glück gehabt mit dem Wetter, einfach nur phantastisch. Der Magen knurrt, unsere Halbpension ruft und wir machen uns auf zum leckeren Abendessen. Langsam realisieren wir, dass morgen unser letzter Tag ist. Mit einem irgendwie traurigen Gefühl gehen wir ins Bett – man wie die Zeit vergeht!

 


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