Tag 2: Mayrhofen -> St. Jakob (über Pfitscherjoch)


Gesamte Tourdaten  
468 km – ↑ 12.927 hm – ↓ 13.412 hm – 7 Tage


Etappenlänge
48 km – ↑ 1.736 hm – ↓ 911 hm – Fahrzeit: 4:09 Std.


Zwischenstationen

  • Mayrhofen
  • Schlegeispeicher
  • Pfitscher Joch
  • St. Jakob Gde. Pfitsch
  • Unterkunft: Hotel Hofer

Tour Beschreibung

«Morgenstund hat Gold im Mund», na ja, das glänzende Metall wohl nicht, aber ein tolles reichhaltiges Frühstück und ein fast ungetrübter Blick aus dem Fenster versprechen einen tollen Tag. Heute soll der erste größere Gipfel in Angriff genommen werden. Das Pfitscher Joch (ital. Passo di Vizze) ist ein 2.246 Meter hoher Talübergang. Am Joch selbst verläuft die österreichisch-italienische Staatsgrenze. 

Aber soweit sind wir noch lange nicht, erst mal alle Sachen wieder ab in den Rucksack, danach folgt ein kurzer Bikecheck. Alles in Ordnung, alles geölt, wir können aufbrechen. Die ersten 8 Kilometer bis Grinzing mit 4,5% Durchschnittssteigung bringen uns langsam in Fahrt. Morgens sind die Muskeln noch müde, müssen erst richtig durchblutet werden, bevor sie zu Höchstleistungen auflaufen. Auf der Straße «Nummer 169» fahren wir in den Zemmgrund und treffen auf mehrere Tunnels. Zum Glück können wir diese angenehm rechts auf einem schönen Wiesentrail umfahren und dabei noch die Natur genießen. In Tunnels hab ich als Biker immer ein etwas mulmiges Gefühlt, dieser Dunkelheit schutzlos ausgeliefert zu sein. Dann noch die Abgaste, die trotz Lüftungsanlagen im Inneren die Luft verpesten. Nein danke, die werden vermieden, wo immer es möglich ist! Wir erfreuen uns an den immer wärmer werdenden Sonnenstrahlen und beobachten die aus der Ferne heranrückenden Berggipfel. Da verpassen wir doch tatsächlich die nächste Abfahrt. Ich sollte nicht so in der Gegend herum sehen, sondern auch mal auf mein Navigationsgerät schauen. 1,5 Kilometer weiter treffen wir wieder auf den «richtigen» Schotterweg.

An der Mautstelle zum Schlegeisspeicher fahren wir vorher scharf rechts auf die ausgeschilderte Mountainbike Strecke. Diese umfährt praktisch die Mautstraße bis fast vor die Staumauer. An diesem Einstieg zum Speicher treffen wir eine Gruppe Biker, die das Joch heute auch noch bezwingen wollen. Sie scheinen noch ein paar technische Probleme zu haben, die sie aber schnell wieder in den Griff bekommen. Wir treffen uns oben am Speicher wieder. Der Schotterweg beginnt auf 1.270 Meter, steigt zunächst kräftig dann aber gemäßigt an und mündet in einen super schönen Trail. Der Singeltrail ist sage und schreibe 2,5 Kilometer lang, wirklich toll zu fahren, wird niemals verblockt, keiner muss hier absteigen, einfach nur genial. Er trifft letztendlich kurz unterhalb der Staumauer wieder bei 1.500 Meter auf die Mautstraße. Jetzt noch mal 3 Kilometer Serpentinen mit 8% Steigung auf Straße und dann sind wir auch schon oben am gewaltigen Speicher.

1965 begann die Tauernkraftwerke AG mit dem Bau der Sperre. Im Juli 1970 startete der erste Teilaufstau, der 1973 im Vollaufstau abgeschlossen war. Der Schlegeisspeicher liegt auf 1.782 m, er bedeckt ca. 2 km² des Schlegeisgrunds. Die alte Dominikushütte ist heute vom Speichersee komplett überflutet. Die im Zamser-Grund liegende Schutzhütte wurde 1883 von der Sektion Prag des DÖAV erbaut. Als Ersatz bauten die Tauernkraftwerke ein wesentlich größeres Bauwerk in zweigeschossiger Bauweise in höherer Lage. Der Name Dominikushütte wurde beibehalten, obwohl das neue Haus eher die Bezeichnung Gasthof verdient.

Dieser Speicher ist mit seiner riesigen Mauer schon beindruckend. Wir fahren auf der Mauer entlang um noch näher dieses gewaltigen Bauwerk zu spüren – phantastisch. Tiefes türkisblau, den Gletscher am Horizont der den See speist und eine klasse Bergkulisse – dazu Sonnenschein, was will man mehr! Uns lockt nicht die Dominikushütte, sondern die kleine Hütte am anderen Ende wegen der kaum anzutreffenden Touristen, die hier mit dem Auto oder Bus hochgekarrt werden. Eine Tasse Kaffee und einen Liegestuhl, das gönnen wir uns für 30 Minuten, bevor wir uns aufmachen zum eigentlichen Gipfel, dem Pfitscher Joch.

An einem Kiosk vorbei führt ein kleiner Weg weiter, der uns zum Joch bringen soll. Die Beschaffenheit des Weges wird immer grober, teilweise müssen wir, wie auch andere, absteigen. Fußballgroße Steine liegen auf dem Weg herum. Bergab wäre es jetzt viel schöner, wir müssen aber hinauf zum Gipfel, also heißt es ab und zu mal schieben. Ein obligatorischer Fotostop an einem Stein, der wohl in jedem Bilderalbum einer Alpentour über das Pfitscher Joch vorkommt. Auf diesem Stein steht im gelben Letter der Weghinweis: «VENEDIG». Das ist genau unsere Richtung, also weiter.

Es dauert nicht lange, da kommen wir an einer kleinen Brücke vorbei. Die Brücke besteht aus einem 30 Zentimeter breiten Holzbrett zwischen zwei größeren Steinplatten. Hier schlängelt sich ein kleiner Fluss durch, der sich vom Gipfel hinab ins Tal stürzt. Jürgen hat auf einmal augensichtlich irgendwie richtig Durst, denn er legte sich kurzerhand auf einen größeren flachen Stein am Ufer und schlürft aus dem Bach leckeres frisches Quellwasser. Es scheint ihm wohl zu Schmecken, denn er hört gar nicht mehr auf. Mit vollen Wasserflaschen geht es weiter hinauf, der beschwerliche kleine Pfad wechselt zu sehr groben und losem Schotter und wird etwas breiter. Dieser Weg wurde 2004 neu geschaffen, die sollten den aber noch mal richtig platt walzen, denn der Schotter ist so lose, dass das Hinterrad sehr häufig den Kontakt verliert und durchdreht. Aber wir wollen ja nicht meckern, auch diesen Weg haben wir gemeistert und treffen nach der letzten Kurve auf die Österreich/Italienische Grenze. Von hier aus kann man den alten, sehr steilen Weg hinauf erkennen, den man früher nehmen musste, um hier herauf zu gelangen. Da loben wir doch trotz des groben Schotters den Neuen, der wenigsten einigermaßen fahrbar ist. Eine kleine, unscheinbare, aber kurze Rampe führt hinauf zum Pfitscher Joch Haus auf 2.246 Meter. Letzte Kräfte werden mobilisiert, dann sind wir oben. Ein kurzer Handschlag, wir haben es wieder einmal geschafft!

Hier hat man einen erstklassigen Überblick, einen fast 360 Grad Rundumblick über die Schönheit der Berge. Wir haben keine große Lust mehr, in der Hütte einzukehren, deshalb genießen wir etwas länger das herrliche Panorama und machen unendlich viele Fotos. Das waren bis jetzt 30 Kilometer und 1.736 Höhenmeter, von denen wir keinen einzigen bereut haben. Und das bei herrlichem Sonnenschein, Bikerherz was willst du mehr! Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach St. Jakob, das heißt jetzt 800 Höhenmeter auf circa 12 Kilometer zu vernichten. Allein der Blick vom Berg ins Tal ist schon ein Traum. Wie in Trance rollen wir talwärts, kleine Bodenwellen laden zum Überspringen ein, der Blick ins Tal und auf die Gipfel weit entferntere Berge bereiten uns ein Glücksgefühl. Der Schotterweg mündet in einen Wiesenpfad, immer noch rollen wir ohne zu kurbeln und genau an unserem Hotel Hofer endet er in einen Radweg. Wow, war das geil!

Wie soll es auch anders sein, genießen wir zunächst mal ein frisches Weizenbier auf der Sonnenterrasse des Hotels. In Gedanken noch völlig versunken spüren wir die Wärme auf unserer Haut, erleben nochmals die fantastische Bergwelt, die tolle Abfahrt und genießen das Leben. Die Zeit vergeht wie im Fluge, der Schatten fällt auf die Sonnenterasse und es wird merklich kühler, also machen wir uns auf, unsere Zimmer zu beziehen. Erst einmal geduscht, dann auf dem Bett etwas ausgeruht, erscheinen wir später pünktlich zum Abendessen. 

Eine Gruppe Mountainbiker gesellten sich zu uns, sie haben bei einem Veranstalter eine geführte Alpentour gebucht. Das Gepäck wird täglich an das entsprechende Hotel gebracht. Hat vielleicht auch was, mal ohne schweren Rucksack durch die Alpen zu biken, aber zurzeit ziehen Jürgen und ich die unsrige Methode vor. Auch die Vorfreude beim Planen einer solchen Tour wollen wir uns nicht nehmen lassen. Nach einem lecken und ausgiebigem Essen schreiten wir zu unserem abendlichen Ritual und machen unseren kleinen Abendspaziergang. So werden die Muskeln etwas gelockert und der Magen hat Zeit seine Arbeit zu verrichten. Das haben wir uns letztes Jahr schon angewöhnt und für gut empfunden.

Anschließend geht es ab ins Bettchen um dann in die Welt der Träume zu fallen und das Erlebte nochmals Revue passieren zu lassen…

 


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