Tag 7: Gavia-Pass -> Madonna Di Campiglio


Gesamte Tourdaten
468 km – ↑ 12.927 hm – ↓ 13.412 hm – 8 Tage


Etappenlänge
76 km – ↑ 2.198 hm – ↓ 3.240 hm – Fahrzeit: 6:06 Std.


Zwischenstationen

  • Gavia-Pass
  • Pezzo
  • Montozzo
  • Pejo
  • Fucine
  • Dimaro
  • Madonna di Campiglio
  • Unterkunft: Garni Hotel Arnica 

Tour Beschreibung

Morgens überraschten uns ein gutes Frühstück und ein Kaminzimmer voller trockener Klamotten. Ein Blick aus dem Fenster und wir wussten, dass wir wieder mal alles richtig gemacht haben: Strahlender Sonnenschein und eine super Aussicht auf die umliegenden Gipfel. Dieses Panorama hier oben ist einfach nur traumhaft schön. Heute können wir auf der ersten Abfahrt 13 Kilometer und circa 1.000 Höhenmeter nach unten genießen, denn ganz nach Ponte de Legno müssen wir nicht hinunter, unser Weg biegt vorher nach links Richtung Montozzoscharte.

Doch was ist das? Da fährt ein Auto mit vier Leuten vor, diese steigen aus, setzen sich einen Bikehelm auf und posieren sich für ein gestelltes Bikefoto zu Gavia Passschild! Alle haben eine volle Biker-Montur mit Trikot und Bike-Schuhen an. Zwei bis drei Fotos später setzten sie sich wieder ins Auto und fahren fort. Jürgen und ich schauen uns entgeistert an und müssen laut lachen – Typen gibt’s, die gibt’s gar nicht!

Die Abfahrt geht auf der Gavia Passstraße runter, berühmt geworden durch den «Giro d´Italia». Man kann sich gut vorstellen, wie sich die Rennfahrer die Straße hinauf quälten und sich sodann im Höllentempo wieder herunter zu stürzen – Wahnsinn! Früher sogar komplett auf Schotter, später wurde er dann asphaltiert und durch ein Tunnel entschärft. Genau das hilft uns heute, denn ein toller Schotterweg führt uns um den Berg anstatt durchs Tunnel. Die Kulisse, die uns dargeboten wird, ist einmalig schön. Der Wind fegt einem ins Gesicht, es ist morgens trotz Sonnenschein empfindlich kalt. Den Buff bis über die Ohren und Nase gezogen, geht es im Rausch der Geschwindigkeit abwärts. 13 Kilometer nicht einmal treten, auch nicht schlecht! Je weiter wir ins Tal gelangen, desto wärmer wird es. Kurz vor dem Abzweig nach Pezzo machen wir an einem Grillplatz eine kurze Pause. Es ist schön warm, der Ausblick grandios.

Und siehe da, Thomas und Gerhard, unsere Wegbegleiter aus Österreich kommen von Ponte de Legno herauf gefahren. Sie sind gestern Abend noch in die Stadt hinab und hatten Probleme ein Zimmer zu finden. Dort war ein Fest zu Gange und alles war ausgebucht. Schließlich haben sie ein Einzelzimmer mit Beistellbett bekommen. Tja, da scheinen wir doch die richtige Entscheidung gestern Abend getroffen zu haben.

Es geht weiter links nach Pezzo hinauf und von dort zunächst auf Asphalt zum Case di Viso. Heute ist irgendetwas anders, ach ja, wir haben Sonntag und alle anwohnenden Italiener wollen in die Berge. Uns überholt ein Auto nach dem anderen. Man, die würden noch hoch zum Gipfel fahren, wenn es möglich wäre. Durch das sehr kleine Dorf strömen Menschen, die scheinbar alle mit uns eines gemeinsam haben, den Gipfel des Montozzo. Am Ende des Dorfes ist ein riesiges Zelt aufgebaut, hunderte von Menschen feiern hier irgendein Fest. Aha, deswegen der immense Andrang hier. Wir wollen schnell weiter. Die Auffahrt ist sehr hart, oft haben wir geschoben, mal haben uns die Wanderer überholt, mal wir sie. Auf 6,5 Kilometer mit einer Durchschnittssteigung von fast 11% auf Schotter – echt brutal! Langsam wird fühlbar, dass wir schon einige anstrengende Tage unterwegs sind. Die Beine werden schwerer, die Spritzigkeit lässt etwas nach, der «Allerwerteste» macht auch ab und zu auf sich aufmerksam, aber wir haben genug Kondition in der Vorsaison aufgebaut, sodass es Tritt für Tritt weiter nach oben geht. Je Höher wir hinauf kommen, desto weniger Wanderer sind unterwegs. Eine letze Kurve und … kein Gipfel, sondern das Riffugio Bozzi, eine Hütte auf 2.420 Meter. Hier trennen wir uns von den meisten Wanderern, denn die Hütte ist deren Ziel. Nach einem kleinen Espresso, einer Tafel Schokolade und ein paar Fotos machen wir uns auf den Weg, den Gipfel zu erklimmen.

190 Höhenmeter auf 500 m Länge zu überwinden heißt Anstrengung pur. Schritt um Schritt, das Bike hoch wuchten, loses Geröll und Sand machen es einem auch nicht leichter. Selbst das Schie­ben wird zur Qual. Unser Tacho zeigt 40% an – mehr brauch man dazu nicht zu sagen!

Endlich – der Gipfel auf 2.613 Meter. Der Übergang bietet einen tollen Panoramablick ins Val Montozzo. Zwischen Ortler und Adamello tobte einst Krieg. Heute strahlen die Militärstraßen und Trails rund um die Montozzo-Scharte eine friedliche Ruhe aus. Genau oben am Passübergang erkennt man noch die Überbleibsel vergangener Tage, den alten Schützengraben. Man fragt sich unweigerlich, was es da oben zu verteidigen gab und wie viele Tode hier wohl begraben sind? Hinter einem größeren Felsvorsprung geschützt, wechselt Jürgen vor der nächsten großen Abfahrt noch schnell seine abgefahrenen Bremsbeläge aus, alles eine Sache von ein paar Minuten, reine Routine.

Ab geht’s nach unten auf einer atemberaubenden Abfahrt. Einiges konnten wir fahren, laufend und schiebend haben wir den Rest überwunden. Im Auge immer wieder der türkis schimmernde See, Lago di Pian Palu auf 1.830 Meter. Ein Rausch der Gefühle. Weiter unten wird der Trail heftiger, sehr steil, verblockt und teil­wei­se aus­ge­setzt. Wir überquerten eine sehr wacklige Hängebrücke, ab hier verfolgen wir einen sehr schönen, nicht mit großen Steinen wie vorher verblockter Weg, aber gespickt mit rutschigen Wurzeln und Naturtreppen. Also heißt es, ab und zu mal absteigen, nichts riskieren. Die traumhafte Kulisse lädt immer wieder zu einem Fotostopp ein. Am See ein kurzer Halt, dann geht es stetig bergab und immer fahrbar, teils auf Forstwegen, teils auf Asphalt und kleinen Nebenstraßen. Bis Dimaro vernichten wir 1.000 Höhenmeter, teilweise auf Radwegen durch herrliche Täler. 

Am Ortsausgang von Dimaro geht es auf der Straße Richtung Madonna de Campiglio, ab der ersten Serpentine biegen wir links auf den MTB-Radweg ab. Zuerst langsam, dann immer steiler windet sich der Schotterweg nach oben. Mitten drin treffen wir unsere Bike-Kollegen Thomas und Gerhard, mit denen wir gemeinsam bis nach Madonna de Campiglio auf 1.595 Meter kurbeln. Die beiden sind echt klasse drauf – Respekt! Endlich, der berühmte mondäne Ski-Ort, wo auch unser Michael Schuhmacher seinen Winterurlaub verbringt. Im Garni Hotel Arnica haben wir alle ein nettes Zimmer bekommen. 

Nach ausgiebiger heißer Dusche treffen wir uns alle zum Pizzaessen, genau gegenüber unserem Hotel! In geselliger Runde und mit tollen Bike Gesprächen lernen wir uns weiter kennen. Natürlich wieder mit einem Liter Rotwein und einem Grappa. Übrigens gibt es vom Hotel aus eine 10% Rabattkarte für dieses Restaurant, nicht schlecht und lecker ist es allemal! Den Abend lassen wir mit einem anschließenden Stadtbummel und einer Kugel Eis ausklingen.

 


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