Tag 3: Bodenalpe -> Sur En (mit Val d´Uina)


Gesamte Tourdaten
468 km – ↑ 12.927 hm – ↓ 13.412 hm – 8 Tage


Etappenlänge
47 km – ↑ 1.753 hm – ↓ 2.451 hm – Fahrzeit: 4:36 Std.


Zwischenstationen


Tour Beschreibung

Heute soll es 30 Kilometer bis nach Sur En zu unserer nächsten Übernachtung gehen und von dort aus – endlich mal ohne Gepäck – die Val d‘Uina Schlucht hoch und wieder runter. Wie schon in der Einleitung erwähnt, sollte diese imposante Schlucht unbedingt auf unserer Tour dabei sein, dazu aber später mehr.

Das Frühstück ist einfach aber gut, die Brötchen schmecken und der Kaffee treibt den letzten Rest der noch vorhandenen Müdigkeit davon. Alles in allem kann man über die «Bodenalpe» sagen, dass es für den Preis wirklich eine gute und anständige Leistung gibt. Ach ja, der Blick am Morgen um 7:00 Uhr aus dem Fenster ist heute etwas ernüchternd, Nebel und leichter Nieselregen. Über Nacht hat es ziemlich geschüttet und die Wiesen und Wege sehen aufgeweicht aus. Also gehen wir erst einmal runter zu den Bikes, die in einer verschlossener Garage übernachtet haben. Auch Sie haben sich einen kurzen Check verdient, werden mit ein wenig Kettenfett und mit Schmiereinlage an den wichtigsten Stellen verwöhnt. Los geht es zum nächsten Abenteuer.

Und es geht gleich zu Beginn bergauf. Es ist nicht einfach, einen Rhythmus zu finden. Die Beine sind noch schwer, das tiefe Durchatmen hilft wenig und dann noch der leichte kalte Nieselregen. Es steigt stetig an, vom Start der Tour mit 1.650 Meter durch das Fimbertal erreichen wir nach 8 Kilometer die erste Zwischenstation auf 2.130 Meter: die «grüne Grenze» Österreich / Schweiz an einer kleinen verlassenen Zollhütte. Es ist genug Zeit für eine kleine Pinkelpause, muss ja auch mal sein. Allerding wundern wir uns immer wieder, dass bei so einer großen Schweißproduktion noch genüg Urin übrig bleibt.

Der Nieselregen hat zwar schon länger aufgehört und wir uns von Windbreaker befreit, aber alle Berggipfel um uns herum sind in einer Nebelsuppe versteckt. Über leicht fahrender Schotter steigt der Weg bis zur Heidelberger Hütte. Die ersten 10 Kilometer und 600 Höhenmeter sind geschafft, das ist uns eine Apfelsaftschorle in der Hütte wert. Schade nur, dass uns der Nebel und die Wolken die Sicht nehmen, das Panorama muss bei guten Sichtverhältnissen eine Augenweide sein!

Die Heidelberger Hütte auf 2.264 Meter ist eine Schutzhütte der Sektion Heidelberg des Deutschen Alpenvereins im hinteren Fimbatal am Fuß des Fluchthorns (3.399 m) in der Silvretta. Sie ist die einzige Hütte des Deutschen Alpenvereins, die auf Schweizer Boden liegt, allerdings wird sie von Ischgl/Tirol aus bewirtschaftet. Erbaut wurde sie im Jahr 1889 und seither immer wieder erneuert und erweitert. Heute ist sie ein komfortabel ausgestattetes Schutzhaus mit Betten, Matratzenlager, Kalt- und Warmwasser (Duschen). Beliebt als Tourenstützpunkt ist sie vor allem im Winter und Frühling bei Skitourengehern, die von hier aus die Silvrettadurchquerung beginnen.

Wir stellen die Bikes ab und beim Öffnen der Eingangstür kommt ein angenehm warmer Luftzug auf uns zu. Erst mal Rucksack, Helm mit Buff und Brille ausziehen, dann einen gemütlichen Tisch aussuchen und der freundlichen Bedienung unsere Bestellung aufgeben. Wir kommen mit anderen Bikern ins Gespräch, zwei machen eine Tagestour, drei weitere auch eine Alpenüberquerung, aber auf einem anderen Wegverlauf. Es ist gemütlich warm und man muss aufpassen, nicht zu träge zu werden. Nachdem wir die Gläser geleert haben, müssen wir wieder los, also verabschieden wir uns von den anderen und ziehen uns wieder an. Jetzt beginnt der Aufstieg zum Fimberpass.

Nicht ganz so schwer wie der Aufstieg zur Heilbronner Hütte am Vortag, dennoch für uns und viel andere, die wir antreffen, nicht fahrbar. Der Weg ist ausgewaschen, nass und schlammig durch den vielen Regen. Kurze, heftig steile Passagen wechseln mit flacheren Teilstücken ab. Manches Mal stecken unsere Schuhe knöcheltief im Dreck. 

Wir haben die insgesamt 2,5 Kilometer und 350 Höhenmeter in knapp einer Stunde hoch geschoben. Auf 2.600 Meter über dem Meer mit dem Bike zu stehen ist schon ein tolles und erhabenes Gefühl. Wir geben uns die Hand, dann schnell noch ein Gruppenfoto mit Selbstauslöser, die Aufnahme einiger Bergpanoramen gelingen trotz Nebel und schlechter Sicht. Es zieht, ist kalt und wir sind durchgeschwitzt. In diesem Zustand sollte man sich nicht unnötig lange dort oben aufhalten, sonst droht eine Erkältung, die wir wirklich nicht gebrauchen können! Vom Gipfel aus ist ein toller Singletrail erkennbar. Zumindest auf den ersten Block toll, denn für uns «Flachlandtiroler» ist die drei Kilometer lange Abfahrt nur ab und zu fahrbar. Öfters wirklich große Steingefälle, hohe Absätze und grobes Geröll, dann wieder locker zu fahrende Passagen. Zuhause hätten wir bestimmt die ein oder andere Stelle fahrend versucht, aber auf einem mehrtätigen Abenteuer wird und sollte man vorsichtiger sein. Wir wollen ja noch mehrere schöne Tage erleben und wenn hier oben ein Sturz passiert, ist die Reise schnell zu Ende. Das riskieren wir natürlich nicht, deshalb steigen wir lieber einmal zu viel, als irgendwann überhaupt nicht mehr ab!

Glücklich und unverletzt erreichen wir das Alp Chöglias, eine kleine aber geschlossene Hütte. Nochmals ein Kilometer den Berg hinab, manchmal auch in einem Flussbett entlang und dann erblicken wir eine Brücke von allerfeinster Schweizer Baukunst. Ein Steinhaufen auf jeder Uferseite zusammengesetzt und mit einem Drahtgeflecht überzogen, darauf zwei größere Bretter gelegt, so steht sie vor uns. Etwas wacklig, aber sie hält uns aus. Wir folgen einem gut ausgebauten Forstweg weiter bis Griosch.

Nach einer rasanten Wiesenabfahrt und einem kleinen, aber coolen Wurzeltrail nach Vna, treffen wir auf das Kurhaus Val Sinestra, um dann einer Naturstraße folgend, Sur En zu erreichen. Sur En ist ein sehr kleines Dorf bestehend aus einem Campingplatz, den wir durchqueren und einer Hand voll Häusern. Es ist also kein Problem unser Hotel zu finden. Urig und gelassen steht er am Waldrand vor uns, der Landgasthof «VAL D´UINA». Alle die schon in Sur En gewesen sind, wissen die Abgeschiedenheit und Ruhe dieses herrlichen Engadiner Fleckchen sehr zu schätzen. 

Nach kurzer Begrüßung und Anmeldung, einer Dusche für unsere Bikes mit dem Gartenschlauch und den Bezug unseres Zimmers machen wir uns so gegen 15:00 Uhr auf zum nächsten Gipfelsturm. Das Erklimmen der imposanten Uina Schlucht – und diesmal ohne Gepäck mit sauberer Schaltung. 

Die Strecke beginnt mit einem meist knackig steilen Schotterweg, der bis zur Alpe Uina Dadaint geht. Nach der Alpe geht es auf einem Pfad weiter, der bis zur Felsschlucht fahrbar ist. Danach wird man sein Bike schieben müssen. 8,5 Kilometer und 850 Höhenmeter weiter steht die Galerie der Schlucht vor uns. Ein in den Fels gesprengter Weg, diverse Tunnels, Höhlen und der Abgrund von geschätzten 300 m. Den letzten Kilometer kann man nur laufen, teilweise sehr steil, schroffer Felsen und sehr enge Wege. An einem Seil kann man sich festhalten, um so die engsten Abschnitte heil zu überstehen. 

Am tiefsten Punkt der Alp Sursass, bei Gross Lager, vereinigen sich die Bäche aus dem Plateau da Rims, Val Cristanas und Pass da Schlingia. Von da weg hat das Wasser im Laufe der Jahrtausende diese einzigartige, wildromantische Schlucht durch die Kalkfelsen ausgegraben. Die Schlucht war früher völlig unbegehbar. Um zu den schönen und saftigen Weideflächen der Alp Sursass zu gelangen, musste man den weiten, steilen und mühsamen Weg über La Stüra oder Val da Gliasen nehmen. Seit 1910 führt ein Felsenweg von 600 Meter Länge durch die senkrechte Wand des Quars. Die Initiative zum Bau dieses Felsenwegs kam von der Sektion Pforzheim des Deutschen Alpenvereins, welche eine Clubhütte (Pforzheimerhütte) kurz hinter der Schweizer Grenze erbaut hatte. Bauherrin war die Gemeinde Sent.

Viele Bilder später machen wir uns wieder auf den Rückweg. Das so etwas von Menschenhand erschaffen werden kann, ist schon ein kleines, aber sehr imposantes Wunder. Der Bikecomputer zeigt 18:00 Uhr und deshalb ist kaum ein Wanderer unterwegs, die Abfahrt wird zum Traum. Kleine Trails, verschlungene Schotterwege an Felsvorsprüngen entlang, Wasserfall mit Brückenüberquerung, die auf dem Hinweg so anstrengende Steigung hinab. Auf einmal komm ich nicht mehr aus meinen Schuh Cleats heraus. Ich habe eine Schraube verloren. Ersatz, na klar im Rucksack und der liegt bereits im Hotel-Zimmer. Was soll’s, notdürftig repariert und weiter geht die Abfahrt. Bis zum Hotel werde ich das schon schaffen. 

Auf halbem Wege überholt uns eine vierer Bike-Gruppe so rasant, wir denken, das müssen Einheimische sein die den Weg kennen, wahnsinnig. Fünf Minuten später werden wir vom Gegenteil überzeugt, denn eine Fahrerin sitzt am Wegrand mit aufgeschundenem und blutendem Knie. Voll gespickt mit kleinen Steinsplittern. Das defekte, nicht mehr fahrtüchtige Bike hängt an einem Geländer. Sie hatte Glück im Unglück, denn das Geländer schütze sie vor einem 100 Meter freiem Fall! Wir bieten unsere Hilfe an und bemerkten, dass sie nur Englisch spricht. Ihre Kumpels kommen schon um die Ecke und versorgen die Dame. Es sind Amerikaner auf “Bike Holiday”. Tja, zum Schluss sind wir dann doch schneller und zwanzig Minuten später stehen wir wieder vor unserem Hotel.

Was für ein Traum diese Schlucht, da plagt man sich gerne den Weg nach oben um sie dann in aller Ruhe zu genießen! Sie ist wirklich zu empfehlen! So mancher Alpencross führt auch direkt über die Schlucht zur weiter oben gelegenen Sesvanna Hütte, um von dort aus wieder runter ist Münstertal zu gelangen. Dann verpasst man allerdings die Route über den Pass da Costainas, eine traumhafte Strecke, die wir morgen erleben dürfen! 

Ein sehr leckeres Abendmenü mit, wie soll es anders sein, ein bis zwei Weizenbier, rundet den so herrlichen Tag ab. Es war einfach nur ein fantastischer Tag. Wir haben uns für morgen einen Ruhetag eingebaut: Nur 40 Kilometer und 1.000 Höhenmeter sollen es werden, da sind wir mal gespannt, was da so auf uns wartet …

 

 


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